Sonntag, 28. November 2010

...und er ruhte am siebenten Tage...

 Es ist immer furchtbar sympathisch, wenn Menschen Gemeinsamkeiten mit Gott suggerieren, während sie von sich sprechen :) Doch es verhält sich nun tatsächlich so, dass ich heute, am siebenten Tage dieser Woche, einfach nicht weiter machen kann, nur ruhen und endlich wieder meinen Lieben schreiben, welche seit Äonen schon vernachlässigt worden zu sein scheinen (ich habe immer noch keine Konstruktion im Deutschen gefunden, welche mehr als vier Verben am Satzende vereint). So viel ist passiert in sieben-mal-vierundzwanzig Stunden, so viel geschafft und geschaffen, allein Enis Besuch eine kleine Weltengeburt.
 Und mit der fange ich auch an, hangel mich vielleicht noch vor bis zum letzten Sonntag, an dem ich eine regelrechte Phototour durch Cambridge gemacht habe, obwohl ich anfangs nur Katinka bei ihrem Rennen anfeuern wollte.
 Donnerstag Nacht kam Eni am Flughafen in London Stansted an, gewissermaßen, denn es dauerte eine Stunde und diverse Anrufe bis sie unter der blauen Leuchtschrift International Arrivals erschien, was ich vor allem auf die manchmal eher schlechte als rechte Organisation am Flughafen attribuiere. Aus zwei Paralleluniversen, in denen wir die gleichen Geschäfte und Gänge sahen, aber nicht die gleichen Menschenmassen, wurde eins und das Wiedersehen war nach so vielen Widernissen natürlich umso schöner. Nachdem wir auch herausgefunden hatten, dass wir den letzten Zug nach Cambridge verpasst hatten und ich die Tickets umsonst gekauft hatte, malten wir uns schon aus, auf welcher Bank im Flughafen es sich wohl am besten übernachten ließe. Zum Glück fahren ja rund um die Uhr Busse...das erste glückliche, wenn auch geschaffte Photo:

 Gegen halb eins begrüßten wir Cambridge nach aufregenden Gespächen im Bus in neuer Frische (denn so kalt war es in Cambridge seit den Anfängen der Wetterdokumentation noch nie, fast). Noch ein paar Torteloni gekocht und das letzte bisschen Pesto aus dem Glas gekratzt. Erst um zwei im Bett, weil wir das Quatschen einfach nicht sein lassen konnten :)

 Lasst einfach mal die zehn (chronologisch geordneten) Bilder vom ersten Tag auf euch wirken, sie werden dem Abwechslungsreichtum und der Fülle dieses Tages besser gerecht, als meine Worte: 

 








 Wir sehen Kirchen, Colleges, die Kirchen der Colleges, ihre Brücken und die zwei Jugendlichen davor, die Union mit pinken Cocktails nebst Billiardtisch und heißen "Luxury"-Schokoladen mit Marshmallows, einen schwarzen Schwan an den Bootshäusern der Colleges, die köstlichen Fish'n'Chips vom Eagle, eine magische Pyjamaparty (oder sehe nur ich die Feuerzunge aus Noelias linkem Zeigefinger flammen?), typisch englische Wohnsiedlungen, in denen man nicht abgeneigt wäre zu wohnen, wir sehen gute Gespräche, überdimensionale Deko-Engel und glitzernde bunte High-Heels, einen Sonnenuntergang am King's College und den Evening Song in seiner berühmten Kapelle, und im Allgemeinen Frost, sichtbaren Atem und viel zu trinken. Naja, ich sehe das alles, wenn ich mir die Photos anschaue, ihr vielleicht ein bisschen weniger ^^
 
 Und schon um eins ins Bett, denn schließlich sollte ich fünf Stunden später bereits zum Bootsrennen aufstehen. Die Vorbereitungen bei Dunkelheit und Handybeleuchtung getroffen, den ersten Schritt aus dem Haus auf schneebedeckten Boden gesetzt. Die Besprechungen mit dem Team, das Aufwärmen, die Motivationsrufe, die Schokolade der Steuerfrau Lara, der dramatische Start, bei dem es begann zu schneien, die "Kollision" mit dem gegnerischen Boot vom Wolfson-College (unsere Ruder haben sich miteinander verhakt), welche uns den Sieg kostete. Die kurze Enttäuschung und der Vorzug, dass ich nun doch mehr Zeit für meinen Gast haben würde. Der spontane Besuch des zoologischen Museums der Universität und der Shopping-Marathon (Strasssteine, Wuschel, Glitzer und Puschel), der sich anschließen sollte. Und hurtig zurück zum College, um sich schnell für die Advent-Hall in St Johns mit Adrian fertig zu machen. Das Dreigänge-Menü, das einen eigenen Eintrag wert wäre. Die expliziten Gespräche in der St Johns-Bar, später jedoch die erfolglose Infiltration des King's College, gefolgt von der ebenso erfolglosen bei der Union. Last resort war der Fernsehraum von Catz mit Digestives und Cidre, in dem aber bald die Briten kamen, um Cricket zu schauen. Klischeehafter wird ein Samstag-Abend in Cambridge nicht :)




 
 
 
 
 







 Und schon das letzte Mal das Licht löschen, wenige Stunden schlafen, um wieder in die Dunkelheit zu stolpern aus der man ins Bett flüchtete. Um 545 morgens am Busbahnhof bei einer dermaßenden klirrenden Kälte, dass sie selbst die Kälte des ersten Abends in den Schatten klirrte. Abschied nehmen. Guten Flug!

Ein schönes kurz-langes Wochenende nach einer ebenso kurz-langen Woche...




  Wer jetzt noch Geduld hat weiterzulesen, wird herausfinden, warum ich heute weder nach Oxford mit den Erasmus-Leuten noch nach London mit der Photography-Society gefahren bin, obwohl ich keines von beiden missen wollte.
 Meine Nächte von Donnerstag bis Samstag, kennt ihr nun schon, daher fehlen jetzt nur noch die Tage und Nächte davor. Donnerstag um sechs aufgestanden, um die Supervision zu forenischen Interviews mit kleinen Kindern noch ein bisschen vorzubereiten. Mittwoch um sechs aufgestanden, um zum Rudern zu gehen. Dienstag um sechs aufgestanden, um an dem Essay weiterzuschreiben. Montag um sechs aufgestanden, um zum Rudern zu gehen. Sonntag um acht aufstehen, um die Ruder-Novizen im fancy dress über die Cam wetteifern zu sehen. An keinem Abend früher als um eins ins Bett. Schreiben und Schreiben und Schreiben und davor und danach prokrastinieren. Daher auch die Rede von einer kleinen Weltengeburt, als Eni angekommen ist; der Schritt aus der Arbeit in den Urlaub und der Schritt aus der Isolation in die Zweisamkeit.
 Ich sprach aber auch von einer Phototour (Kategorie: Prokrastination vor dem Schreiben). Hier ein paar Ergebnisse (am besten immer draufklicken, die Miniaturanzeigen komprimieren das Erlebnis ;D):























Kommentare:

  1. Danke für die detaillierte Beschreibung deiner Tag-Nacht-Rhythmen ... da fühle ich mich dir so nahe...
    ;)

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  2. :D der Punkt geht an dich, Herr Anonym!

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  3. Verdammt. Generisches Maskulinum... Name/in?

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  4. ohja, das war definitiv eine magische pyjamaparty, denn auch ich sehe feuer aus dem angesprochenen zeigefinger züngeln!

    ganz besonders gefallen mir das lila python skelett und du im lila anzug, aber auch der einsame affe auf dem brückengeländer hat was sehr poetisches.

    Wa, das sind ja wirklich schlümpfe in dem boot! wie geil.
    und wieder mal möchte ich dich loben für deine wunderbaren photographiekünste und dir danken für die faszinierende photogalerie und diesen wahrhaft monströsen artikel. komme mir vor wie nach einem marathon (NB: ich bin noch nie einen gelaufen).
    JohnBär

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