Sonntag, 13. Februar 2011

Eine Akkuladung Peterborough

 Genauer gesagt 69% einer Akkuladung. Blöderweise hatte ich meinen Akku nicht aufgeladen, bevor ich zum heutigen "Stadt"-Trip mit Katinka nach Peterborough aufgebrochen bin. Warum mit Katinka? Sie ist vermutlich der einzige Mensch auf Erden, der es genau so lang wie ich in einer Kirche aushält. Zweieinhalb Stunden sind wir diesmal durch den Monumentalbau geschlendert, haben hunderte Photos geschossen und die Pracht auf uns wirken lassen. Nicht ganz so lange wie in Ely und auch nicht ganz so geil, aber schließlich hatten wir diesmal auch keine Führung, das Wetter war nicht so gut (aber zum Glück nicht ganz so kalt wie beim letzten Mal - aua!) und die Kirche war auch nicht ganz so abwechslungsreich. Warum Peterborough? Seht selbst!


 Überraschend piazzaesk erschien der Hauptplatz des englischen Städchens, aber spätestens als wir uns umdrehten und die englisch frühgotische Westfassade der Kathedrale sahen, war wieder klar, wo wir waren. Es ist eine der beeindruckendsten Fassaden, die ich je gesehen habe! Drei gigantische Spitzbogenportale wie diese, zumal in dieser Anordnung (das schmale innen!) habe ich noch nirgends gesehen und ich wage zu behaupten, dass diese Fassadenlösung einzigartig ist. Man kann sich an den ganzen detailverliebten Dekorformen gar nicht sattsehen, finde ich...




















  Innen erwartete uns pure normannische Massigkeit, die durch die strenge Wiederholung der Wandgliederungseinheiten noch monumentaler wirkte.

 Die bemalte Holzdecke ist uns übrigens noch aus dem frühen 13. Jh. erhalten geblieben. Auffällig ist das strenge 1:2:3-Muster der Arkaden von unten nach oben: erst ein Bogen, darüber zwei und darüber drei. Typisch englisch und sieht man in vielen größeren Kirchen hier. Wenn ich mich noch an die Vorlesung in Deutschland erinnern könnte, wüsste ich auch, wo das vermutlich begonnen hat. Peterborough wäre jedenfalls denkbar (wobei sehr viele Innovationen aus Canterbury kommen).

   Die Orgel war recht bescheiden, aber hier seht ihr noch ein paar neue Dekorformen (v.a. an den Bögen rechts neben der Orgel) und wieder etwas typisch Englisches: der Obergaden (die Bögen ganz oben, da kommt Hauptsächlich das Licht für das Hauptschiff des Langhauses her) sind doppelwandig. Da kann man durchlaufen und Reparaturen durchführen.

 Die Photoerlaubnis hat drei Pfund gekostet, aber die habe ich gerne gezahlt und auch voll und ganz ausgeschöpft. Die Panorama-Aufnahme hier war nämlich ziemlich laut, da sie sich aus kontinuierlichen Aufnahmen (automatisch) zusammensetzt. Dieses hier soll einfach die schieren Ausmaße verdeutlichen. Ihr könnt auch in den Vierungsturm sehen, der zwar wirklich schön eingewölbt ist (vermutlich viktorianisch), aber eben nicht an die einzigartie Holzkonstruktion in Ely herankommt.
 Ich muss gleich mal weiterlesen (hab morgen eine Supervision), daher fahre ich das Klugscheißen mal zurück und lasse die Photos sprechen.





  Sorry für den Orange-Stich in dem Bild oben, ich hab's noch nicht so mit der Bildbearbeitung...
















  Der Retrochor aus dem Ende des 15. Jh.: Seht ihr die Ähnlichkeit zur King's College Chapel? - Ist der gleiche Architekt.








  Zu diesem Bild muss ich auch noch etwas sagen: Der neue Polfilter hat sich bezahlt gemacht, denn dies ist eine Aufnahme in eine Glasvitrine. Man sieht aber keine Reflexionen. Wie cool ist das bitte?


 Zum Schluss noch ein bisschen schönes Maßwerk an einem kleinen Häuschen in der Stadt und die englischen Schornsteine, die ich so liebe. Außerdem noch ein paar neue Ländereintragungen in meiner Statistik: diese Woche sind Leute aus Dänemark, Ungarn, Tschechien, Bolivien und Südkorea zu meiner Leserschaft hinzugekommen. Wie immer, wtf?

 Und, ach ja, dieses Wochenende habe ich mit den Erasmus-Leuten eine der besten Parties meines Lebens gefeiert! Es war gar kein besonderer Anlass, es waren einfach nur alle richtig gut drauf (und völlig betrunken).

 Uuuund meine ganzen bestellten Sachen sind angekommen. Den Polfilter habe ich ja schon angepriesen, der UV-Filter ist verständlicher Weise unspektakulär (ist halt durchsichtiges Glas, das die Linse schützt), ein Bild von dem Sternfilter lad ich gleich noch hoch (produziert aber sehr starke Geisterbilder), an das Stativ muss ich mich noch gewöhnen und die Fernbedienung funktioniert. Den größten Spaß habe ich mit dem Reinigungskit - bin die ganze Zeit am Staub wegblasen - alle Objektive blitzeblank =)


Noch ein PS, dann ist aber wirklich Schluss: da meine englischsprachige "Leser"schaft zu einem mittlerweile bedeutsamen Anteil gewachsen ist, werde ich versuchen in Zukunft auch ein bisschen auf Englisch zu schreiben. Hoffe, das klappt irgendwie. For my English (speaking) readers: I hope I can interlace some English passages in the future. Thank you for using Sainsbury's Self Check Out!

Donnerstag, 10. Februar 2011

Boneraper


 Wie leite ich am besten die ganzen Photos ein, die nun folgen? Vielleicht gar nicht.



  Ich war auf dem Weg zur Bank, als ich an dem Knochenwaal an unserer Uni vorbeikam. Nur ein paar Bilder, vielleicht, ein Panorama. Nun, natürlich konnte ich das Zoologische Museum der Uni nicht unbesucht lassen. Schon mit Eni hatte ich so viel Spaß darin und diesmal - mit besserer Ausrüstung - vom Photographischen Standpunkt her umso mehr! Ihr hättet es auch selbst erkannt, aber fast alle Bilder sind bearbeitet. Manchmal scheint mir, als ob ein richtig gutes Photo nicht nur durch tausende Euro Equipment und einen erfahrenen Kameramann mit geschultem Auge entsteht, sondern in erster Linie durch gekonnte Bildbearbeitung. Man muss schon ein Photographiegott sein und auch ein bisschen Glück haben (oder einfach immer alles ablichten), damit ein komplett unbearbeitetes Photo wirklich BAM macht.


 Ich weiß nicht warum, aber dieses Bild erinnert mich irgendwie an das Magazin der Deutschen Bahn. Die unglaubliche Schärfe des Kopfes im Hintergrund kommt durch die F1.4 und Bildmittenkomposition (da ist meine Linse bei dieser Blende am schärfsten) zustande. Das wäre ein gutes Referenzbild für den mit-und-ohne-Polarizer-Vergleich. Letzterer dürfte die Reflexionen auf dem Glas verschwinden lassen. Ich geh nochmal ins Museum wenn das gute Stück da ist!




 Ich war heute ehrlich gesagt von meiner Kit-Linse beeindruckt, was sowohl Schärfe, als auch Unschärfe angeht (v.a. bei diesem suboptimalem Licht ohne Stativ!). Diese beiden Bilder hier und auch die nächsten wurden mit ihr aufgenommen, bis ich gemerkt habe, dass ich für manche Motiv mehr Bokehliciousness brauche.


  Die Krabbe (Hansa wüsste wohl etwas präziser, worum es sich handelt) komplett unbearbeitet! Für mich macht das Bild ein bisschen BAM. Nicht zuletzt wegen der marginal beschnittenen Rundung oben. Langsam kann ich sowas verstehen und akzeptieren (hätte früher getobt).


 Da ist wieder meine zehn- oder zwölfbeinige Freundin. Einfach zu cool das Ding. Möchte ihr trotzdem nicht live begegnen (wird eh nicht passieren - ist ausgestorben).

 
 Hier hab ich dann eindeutig die F1.4 gebraucht. Und unten noch eine Photographie von einem Brustkorb. Welch wundervolle Rippen...

 


Wo kommt jetzt schon wieder die Bank her? Auf meinem hastigen Heimweg musste noch Zeit für die Bank in anderem Licht sein. Auch andere Perspektive und andere Bearbeitung. Bald werden die Krokusse blühen!


 




  Im alten Turm der Universitätskirche Great St Mary ist spät noch wer wach.













 Viel dramatischer die uralte Round Church aus dem Mittelalter. Passt bei 50mm Festbrennweite gar nicht auf's Bild. Not macht Komposition.


CCTV is always in use. Everywhere. Sough English. Just like the red phone booths.

 Am gleichen Abend ein Photo von der Seidig- keit meiner blauen Cheap Monday.
A blue jeans cannot get any bluer than this!
Silkier neither ever!

  Niemand weiß, wie, aber es hat sich eine Person auf meine Photos verirrt! Lucía mit Silberlinie auf ihrer rechten Gesichtshälfte. Leider hab ich vergessen, die ISO 6400 vom verherigen Photo rauszunehmen. Anfängerfehler, argh. Jetzt ist alles grieselig... so negativ soll der Eintrag heute aber nicht enden. Für alle, die ein Herz für Photographie haben, der letzte Abschnitt. Alle anderen können aufhören zu lesen (werden jedoch das schlechte Gefühl der Grieseligkeit als letzten Eindruck in Kauf nehmen müssen ;p).








Addendum


 Dieses Bild hat mir die Entscheidung maßgeblich erleichtert, ob ich weitere 20 Euro für noch einen Filter (Hoya NDx8 HMC - verdunkelt einfach nur die Linse gleichmäßig, sodass man auch bei Tageslicht längere Verschlusszeiten für z.B. milchiges Wasser verwenden kann. Ein Muss für Photographie in Schnee) ausgeben will. Das Wasser ist bei 2" auch ohne Filter schön milchig und auch nicht viel zu hell. Hab außerdem noch zwei ganze Stufen EV-Korrektur Spiel nach unten :)


  Meine in diesem Eintrag bereits gepriesene Kit-Linse stellt sich als echte Einsteiger-Makro heraus (dieses Photo handgehalten bei F36 aus einem Abstand von 16cm zum Linsenfrontglas!!). Spart mir (vorerst) 390 Euro, aber ich werde mir wohl doch irgendwann die Tamron SP AF 90mm f2.8 Di leisten. Ein irrationaler Herzenswunsch, aber endlich habe ich mal etwas, für das ich mein Geld gerne ausgebe ^^

 


 Kompositionsstudien nachts um zwei in der eigenen Unordung. Bei F1.4 sieht alles gut aus, finde ich. Hier hab ich zum ersten Mal Sachen absichtlich ganz knapp abgeschnitten. Soll aber nicht zur Gewohnheit werden...


















  Zuletzt: Bokeeeeeehhh... so damn creamy!
Gute Nacht, meine Lieben!

Dienstag, 8. Februar 2011

Was haben eine Fernbedienung, ein Gorilla und mehrfachvergütetes Glas gemeinsam?

 Ich habe sie gerade bestellt ^^,
Endlich habe ich den günstigsten Weg gefunden, meine heißbegehrten Ergänzungen zum vollendeten Photographenglück zu bestellen: drei Filter, ein Stativ, ein Fernauslöser und ein Reinigungskit. Überraschender Weise ging alles über amazon.co.uk am billigsten, drum hab ich nicht lang gezaudert und mir obendrein £20 Versandkosten gespart. Außerdem waren die Anschaffungen noch um einiges günstiger, als sie in Deutschland gewesen wären, dem schwachen Pfund sei Dank (ganz davon zu schweigen, was die Sachen im Geschäft gekostet hätten - mindestens das Dreifache)!

  Für die meisten hier wird das wohl der langweiligste Eintrag bisher, mir egal, ihr seht später die Unterschiede in den Bildern (wenn ich euch auf sie aufmerksam mache).

 Die Filter (alle 55mm, passen somit auf beide Sony-Objektive)
- Hama UV Filter 390 (0-Haze) Wide 3 mm, C14 Coated
 Schutz für's Objektiv. Unter Profis umstritten, aber bei der Highend-Qualität dieses Filters (14fach-Vergütung!) geht auch nichts (wahrnehmbares) an Bildqualität drauf. Hat ein Frontgewinde, sodass man noch einen Filter vorschrauben kann. Extraflach für Superweitwinkelaufnahmen.
- Hoya Pro-1 Digital PL-CIR
  Zirkulärer Polarisationsfilter. Minimiert Reflexionen von nicht-metallischen Objekten (Wasser, Glas, etc.) und erhöht die Sättigung im Bild, macht insbesondere einen blauen Himmel noch blauer und Gras noch satter. Unverzichtbar für Landschaftsaufnahmen :D
- Hoya Star 8
 Das ist einfach ein kleiner Effektfilter, den ich mir gewünscht habe. Keine weitere Beschreibung, ihr sollt das Ergebnis später bei der Anwendung im Bild sehen.

 Das Stativ
Ein Joby Gorillapod GP2 SLR, den man sich wie einen Affen überall dranklammern lassen kann. Nach langer Überlegung dem Trendobjekt verfallen, da es hier nur £30 kostet, einen späteren Stativkopf für ein "ordentliches" Stativ ersetzen kann, klein und leicht ist, sowie v.a. sehr flexibel. 

 Der Fernauslöser
Wozu das denn, wenn man schon einen Auslöseknopf an der Kamera hat und für verwacklungsfreie Bilder einfach den Selbstauslöser verwenden kann? Nun, für Sternenphotographie, zum Beispiel. Da müsste ich sonst den Auslöseknopf ohne zu Verwackeln - was selbst mit Stativ unmöglich ist - ca. 30 Minuten lang drücken. Bei der kleinen Infrarotfernbedienung (leider ohne Kabel, aber hey: bei £ 5.99 konnte ich nicht nein sagen) drücke ich einmal drauf und wenn mir die Belichtungszeit recht, nochmal. Es gibt auch noch andere Anwendungsgebiete, aber ich will es auch nicht mit dem Photographie-Eintrag übertreiben...

 Das Reinigungs-Kit
Hilft dabei Gehäuse und Objektive schonend zu reinigen und verkauft sich aufgrund der weitverbreiteten Photographenparanoia (F40.2 Amathophobie) wohl hervorragend. Hab jetzt mal nicht das Set von Carl Zeiss für umgerechnet über 40 Euro genommen, sondern das von Hama für'n Zehner. It get's the job just as well done.

  Da sage einer, man könnte sein Auslands-BAföG besser auf den Kopf hauen :D

Freitag, 4. Februar 2011

Das Wichtigste hab' ich natürlich vergessen...

 Zwar gestern erst massig geschrieben, aber seitdem sind ja schon wieder 24 Stunden vergangen und die Sonne hat geschienen. Das heißt: Photos!


  Diese beiden Bilder von einem Universitätsgebäude sind komplett unbearbeitet (abgesehen von ein bisschen Ausrichtungskorrektur und Zuschneiden bei dem rechten). Der Unterschied: Obiges ist ohne Kreativfilter (Software in der Kamera zur Veränderung der Farbwiedergabe) geschossen, das Rechte mit "Vivid". Zusätzlich kann man Kontrast, Sättigung und Schärfe für jeden Filter (die anderen sind Portrait, Schwarzweiß, Sonnenuntergang und Gottweißwas) in sieben Abstufungen gesondert einstellen. Wenn man nicht auf Natürlichkeit steht, kann man sich so die Nachbearbeitung sparen oder bestimmten Events oder Ausflügen eine bestimmte Note verleihen, indem man alle Bilder mit dem gleichen Filter schießt.





 Und noch eine von den tausenden Kirchen hier. An Sättigung, Kontrast, Farbtemperatur und Rarbton herumgespielt.


  Ein einladend ausladender Baum im Emmanuel College (wenn jemand bei den Kanapepoeten ein solches Wortspiel bringen würde, würde ich nur mit den Augen rollen). Kontrast und Sättigung offensichtlich maximiert.

 Mein Lieblingphoto von der Tour, durch den Zaun um einen Kirchenhof aufgenommen. Gänzlich unbearbeitet, lediglich vom Raw-Format in Jpeg umgewandelt, damit ich es hier hochladen kann. Für die Photointeressierten unter euch:
50mm, F2, 1/160, ISO 100.
 Wenn ihr sehen wollt, wie dieses Bild nach 30 Sekunden rudimentärster Bildbearbeitung aussieht, scrollt zu Ende des Eintrags (ich bevorzuge aber die unbearbeitete Variante). 

 Genug Photoenthusiasmus; das Wichtigste, das vergessen ward im letzten Eintrag: Es ist ja gerade Sale in England (die Briten haben noch das SSV/WSV-System, nicht wie in Deutschland 365 Tage Dauer-Sale-Alles-Muß-Raus-Räumungsverkauf), daher habe ich mir jetzt mal einen Einkauf im Topman geleistet, der mich damals in Stockholm nicht beeindruckt hat, aber in den ich mich hier in England verliebt habe. Anzüge mit Skinny-Fit, Folk-Töne (Jaguar-Grün, Erdfarben, Bordeaux), T-Shirts mit tiefem V-Ausschnitt, Twead, Lederschuhe und die wunderbarsten Accessoires. Jedes Teil etwas Besonderes. Wer schon mal mit mir Einkaufen war, weiß, dass ich zwei Stunden in einem Geschäft verbringen kann, 30 Teile anprobiere und zum Schluss doch vielleicht nur eines davon kaufe. War hier auch der Fall, aber mit dem Unterschied, dass ich fünf Teile gekauft habe (für nur 98 GBP!). Hoffentlich lernt ihr alle Teile im Laufe des Blogs kennen, denn ich liebe sie! Also: ein Skinny-Einkopf-Sakko aus einem Woll-Polyester-Viskose-Blend in dunklem eridgen Braun, passend dazu eine olivgrüne Tweedhose im Skinny-Karottenschnitt, ich hab auch endlich das schwarze Anzughosen-Problem gelöst, natürlich auch in Skinny und sogar mit Bügelfalte (diese tatsächlich erst gegen 1900 erfunden!), ein blaumelierter dünner Baumwollpullover mit Kapuze (alles auf links gestrickt) und nicht zuletzt der mondweiße Pulli mit wallendem Rollkragen, den ihr unten seht (auch auf links gestrickt und ohne Bündchen, daher rollen sich die Ärmel nach innen ein - wie cool ist das bitte?!).



Anhang

Welche Version gefällt euch besser? Bitte schreibt eure Meinung in einem Kommentar!

Donnerstag, 3. Februar 2011

Welcome to Authentic Happiness!

 A warm "welcome back" from Grinding the Flap! Long time no see...

Verzeiht meine Verschwiegenheit, aber es geht ununterbrochen drunter und drüber. Die Internet-Begrenzung, die ich mir selbst auferlegt habe (max. 90 Minuten am Tag) ist fast überflüssig, da ich ohnehin nicht viel an den PC komme. Letztere ist übrigens eine von fünf praktischen Ingredienzien, welche meine Deutschigkeit (Effizienz) in England verbessern sollen. Gut lesbar und farblich hervorgehoben in meinem kleinen Kämmerchen sind fünf Formeln angebracht, deren Imperativ die Handlungsinitiierung erleichtern soll:

1. Sleep ist beauteous! 12pm!
2. Get real - internet is for geeks!
3. You could be reading right now!
4. How was your day?
5. What's planned for tomorrow?

 Ok, nicht nur Imperative, aber es hilft.

 Also, was is passiert letzte Woche und warum habe ich nicht eher davon berichtet? Ich war auf einem Swap mit den Newnham-College-Ruderinnen, am gleichen Abend erhielt ich eine SMS mit der Inschrift "Du bist geil!" und wir haben einen Geburtstag gefeiert. Und ich habe nicht früher davon berichtet, da ich nebst oben genannten Gründen kaum Photos zu präsentieren habe. Meine Kompakte liegt verstaubend in der Ecke, da ich das Ladekabel zwischen Umzug, Trier und Landshut verschlampt habe. Ein Jetset-Leben ist das! Zu welchem Spotify jederzeit die passende Musik liefert: Bob Dylan, Sonic Youth und The Horrors.

 Aber was in aller Welt ist nun schon wieder ein Swap? Man trifft Leute von anderen Colleges und säuft. In diesem Fall waren wir im Curry Garden, war also ziemlich ähnlich wie damals im Mahal: pennying, general fines und gutes indisches Essen. Wobei ich leider keine nennenswerten Bekanntschaften gemacht habe, was aber bei meinem Zeitplan schon fast erfreulich ist. Wäre vielleicht anders gelaufen, wenn ich mit den Leuten noch in's Cindies gegangen wäre, schließlich war es Mittwoch. Stattdessen ging ich aber mit einem Liter Smirnoff bewaffnet auf Alishahs Geburtstagsfeier...

 Wer schrieb die obszöne SMS noch dazu auf einer so obszönen Sprache wie Deutsch? Es war Beau O'Sullivan, ein kürzlich geouteter englischer lad, der es nun auf mich abgesehen hat. Er ist ein wirklich netter Kerl und man muss ihm zu Gute halten, dass er anfangs nicht wusste, dass ich 'ne Hete bin, aber er bleibt schon arg offensiv ("c'mon sleep with me") auch nachdem ich ihn aufgeklärt habe... this is the English game - fight or flight.

 Eine zweite Geburtstagsfeier galt es zu feiern, als Tea aus Bulgarien 21 wurde. Davon habe ich sogar Photos, wobei ich gestehen muss, dass ich den ganzen Abend (wenn ich nicht gerade Photos gemacht habe) meine Kameratasche umarmt und misstrauisch dreingeschaut habe... man kann diesen Engländern nicht trauen... und den Ausländern vom Erasmus erst recht nicht...
 Endlich Photos, da!

  Ich höre die ersten Aufschreie, das ist doch nicht Tea, das ist Vanesa!, und sie haben recht, der Spanierin Geburtstag haben wir nämlich am selben Abend nachgefeiert. Von der Bulgarin hingegen habe ich leider kein wirklich brauchbares Bild. Das Problem: die F1.4er nicht mitgenommen und sich puristisch stur geweigert den Blitz anzuwerfen (wusstet ihr, dass die Engländer auch "Blitz" dazu sagen?). Tja, lieber kein Bild, als ein schlechtes Bild, sagte schon Nietzsche (das ist jetzt erfunden, aber eine Nikon hätte gut zu ihm gepasst).


 Wo Sportler sind, da ist auch Wettbewerb. Das Kräftemessen oben zwischen Lucía (sechsmal die Woche Fitness, Spanien) und Noelia (Bronzemedaille im 800m-Lauf in Spanien 2009, Spanien). Klar, wer gewinnt; die Läuferin. Unten zu sehen: der Kampf der Giganten - Koen (hat schon so ziemlich jeden Sport gemacht, letzten Term Novice-Ruderer, Belgien) vs. Thomas (Senior-Ruderer und Stroke der M3, Deutschland). Kann Thomas den an Kraft und Hebel überlegenen Belgier mithilfe seines technisch versierten Handgelenks bezwingen? Nein.



  Was noch? Wir haben Tickets für den Jesus College May Ball gekauft, der mit lächerlichen 118 GBP einer der günstigsten ist! Wofür so viel Geld? Quasi ein Abschlussball für das erfolgreiche Studienjahr. Das reicht aber nicht: Die May Week (natürlich im Juni) beginnt nach den letzten Prüfungen und bietet zehn Tage lang (eine typische Woche halt) diverse Festivitäten; neben den verschiedenen Balls - nicht alle Colleges haben jedes Jahr einen Ball, daher Jesus und nicht St Catharine's für mich - gibt es noch sogenannte June Events und Garden Parties. Alles teuer und ziemlich posh, aber ist halt Cambridge. Aber wenigstens Essen und Trinken unbegrenzt inklusive :)
 Ein Bild von einem Pferd, das im Jesus College einfach mal im Garten rumsteht (bei der Aufnahme war es so dunkel, dass ich das Pferd kaum sehen konnte, ich dachte, es würde nur ein Schemen auf dem Photo werden - was cool gewesen wäre - war demnach also überrascht von dem Farbenfrohsinn, den die f1.4-Offenblende auf den LCD-Bildschirm gezaubert hat).

  Ich experimentiere auch ein bisschen mit Schwarz-weiß herum. Eines dieser Photos, die man am Anfang seiner DSLR-Karriere schießt, um die Kamera kennenzulernen.


 Ein letztes - zugegeben etwas peinliches (aber für euch tue ich alles) - Photo von meinem 20er-Jahre-Outfit für die Party am Sonntag. Die Hose habe ich von Noelia geliehen, die Haare mit teuer erworbenem Indestructible-Gel geleckt. Ich werde niemals verstehen, wie sich Menschen sowas freiwillig in die Haare schmieren...


 Wie kommen wir aber nun zu unserer heutigen Überschrift? Die letzten zwei Mittwochs-Vorlesungen in psy6 widmeten sich der Positiven Psychologie und wieder einmal habe ich viel über das Glück in der Wissenschaft erfahren (nach dem extensiven Seminar in Deutschland). Glücklich sein ist übrigens keine Wissenschaft! Die englische Regierung hat ein Mammut-Projekt in Auftrag gegeben, das die gesamte (gute) Forschung in diesem Bereich zu fünf Sprüchen zusammengefasst hat. Was ist also das Geheimnis des Lebens. Ich werde es mit euch teilen - Five Ways to Wellbeing:

1. Connect...
2. Be active...
3. Take notice...
4. Keep learning...
5. Give...

 Auf Deutsch: Triff dich mit Familie/Freunden/Kollegen, betreibe Sport, halt inne und genieße die Schönheit der Welt (mach am Besten ein Photo davon!), mach dich in jedem Alter schlau und schenke, denn das macht glücklicher, als beschenkt zu werden (wenn das Geschenk nicht voll scheiße ist, füge ich methodenkritisch hinzu).

  Aber warum authentisch? Der gute Herr Seligman (der perfekte Name für einen Glücksforscher) hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Welt wirklich wirklich glücklich zu machen und daher selbst seine Internetseite authentisiert: http://www.authentichappiness.sas.upenn.edu/Default.aspx
  Da gibt es auch feine Fragebögen, die die persönlichen Stärken erfassen (VIA). Wollt ihr meine wissen? Lassen wir Herrn Seligman sprechen:
 
"Your Top Strength
Appreciation of beauty and excellence
You notice and appreciate beauty, excellence, and/or skilled performance in all domains of life, from nature to art to mathematics to science to everyday experience.

Your Second Strength
Hope, optimism, and future-mindedness
You expect the best in the future, and you work to achieve it. You believe that the future is something that you can control.

Your Third Strength
Capacity to love and be loved
You value close relations with others, in particular those in which sharing and caring are reciprocated. The people to whom you feel most close are the same people who feel most close to you.

Your Fourth Strength
Humor and playfulness
You like to laugh and tease. Bringing smiles to other people is important to you. You try to see the light side of all situations.

Your Fifth Strength
Curiosity and interest in the world
You are curious about everything. You are always asking questions, and you find all subjects and topics fascinating. You like exploration and discovery."
  
  Und dreimal dürft ihr raten, welche meiner Stärken auf dem letzten Platz gelandet ist:
"Strength#24
Modesty and humility
You do not seek the spotlight, preferring to let your accomplishments speak for themselves. You do not regard yourself as special, and others recognize and value your modesty.
"

  Tja, da scheint das Messinstrument wohl kaputt zu sein. 

Fin.