Dienstag, 23. November 2010

Peon

 Verzeiht meine Abwesenheit, aber seitdem ich meine Aufrufstatistik nicht mehr abrufen kann, ist die tragende Säule meiner Motivation weggebrochen. Nein, Spaaaß, natürlich liegt es einfach nur daran, dass ich Tag und Nacht an meinen Aufsatz über die Zuverlässigkeit von Kindern unter sieben Jahren als Zeugen arbeite (wenn ich nicht gerade rudere). Aber ich hab schon bald die 3000 Wörter zusammen, die so ungefähr die Untergrenze an Umfang/Unfug darstellen. Habt ihr die unsaubere U-Alliteratur bemerkt?
 Aber ich habe eine Quintillionen Bilder oder zwei für euch im Kasten, von daher seid gespannt! Ein Vorgeschmack:


 Zum Schluss noch eines dieser Zitate, die veröffentlicht werden, sobald ich berühmt bin:

"Da ich als Kind keine Freunde hatte,                   
                  begann ich früh mit Worten zu spielen."

Freitag, 19. November 2010

Sex, Drugs, Death, and the LAW!

 Ich war also in der Juristenbibliothek. In der man natürlich keine Bücher ausleihen darf. Aber die Atmosphäre ist ansteckend strebsam. Und ekelerregend luxuriös. Ich vermute, die Jura-Studenten haben die modernste Fakultät in Cambridge. Stahl und Glas, Granitstiegen. Aber zugegeben ziemlich cool.
 Welches Buch verschlägt mich also in dieses einkaufszentrale Gebäude?
Ceci, S. J., & Bruck, M. (1995) Jeopardy in the Courtroom. A Scientific Analysis of Children's Testimony. Washington DC: American Psychological Association.
  Der nächste Essay steht an, diesmal über die Zeugenqualität von Kindern unter sieben Jahren. Gut, dass wir damals aufgepasst haben bei Herrn Wippich, Frau Walther und Herrn Gräser... But also not; es ist schon Neuland - aber verdammt interessantes Neuland! Es ist jedoch auch wieder mal das differenzierte auseinanderfieseln von Effekten, die bei 3-4-jährigen Kindern bei recall-Fragen zu wiederholten traumatischen Erlebnissen in den letzten 30 Tagen manchmal gefunden wurden. Oder eben bei 7-8-jährigen Kindern bei recognition-Fragen zu einzelnen wohl nicht als traumatisierend empfundenen sexuellen Misshandlungen in den letzten 12 Monaten relativ konsistent gefunden wurden. Und alles dazwischen. Und alles darüber hinaus: Suggestibilität, Unterscheidung von Phantasie und Realität, von Situationsskripten und tatsächlichen Details aus erlebten Episoden, der Einfluss von Interviewer-Bias und dem Benutzen anatomisch expliziter Puppen...aber ich will euch nicht allzu lang mit dem Fach langweilen.

 Damit ihr seht, dass die moderne Jura-Fakultät immer noch eine (durchaus auch willkommene) architektonische Ausnahme in Cambridge darstellt, eine Photographie, die ich vor einiger Zeit geschossen habe, die irgendwie in keinen Eintrag seitdem gepasst hat, in diesen auch nicht wirklich, aber dennoch, hier ist sie!

 

  Das ist die Kings Parade (die Straße vor dem King's College, welches hier links hinter uns läge), quasi die Verlängerung der Trumpington Street, in der ich wohne. Weiter nach rechts käme die Corpus Clock, wenn man vor dieser links in die Straße böge, das Eagles, in dem ich mit Marius zu Mittag gegessen habe, und ein paar Schritte weiter nach rechts käme schon mein Fakultätsgebäude. Jenes zwei Minuten Fußweg von meinem Zimmer entfernt. Es ist alles so nah beieinander hier (mal vom Bootshaus abgesehen). Aber heute ist wieder wunderbares Wetter: wolkenloser Sonnenschein gegen Ende November! Das heißt, einmal mehr schöne Photos auf dem Weg zum Rudern!
 Wenn wir wieder auf das Photo schauen und hinter der Kirche rechts abbiegen, gelangen wir zum Marktplatz, auf dem ich dieses glorreiche Brot für bescheidene £ 4,25 erworben habe: 100% Roggenmehl und mit einer knusprigen Kruste! Eine lohnende Investition!
 Und nochmal zurück zum Bild: Wenn wir die Kings Parade dem Fluchtpunkt entgegen gehen würden, kämen wir nach zehn Minuten zu unserem Bootshaus. Dreh- und Angelpunkt in Cambridge scheint also das King's College zu sein. Und zum Bootshaus breche ich jetzt auch auf, für heute wurde ein Hardcore-Outing angesagt, das auf die kommenden Wettkämpfe vorbereiten soll. Wo wir gerade beim Rudern sind, noch dies: gestern beim Erasmus-Bierchen im Anchor hat Lola (Spanien, genauer: Madrid) davon erzählt, wie ihr Team es als erstes weibliches (davor gab es ein männliches) in der Geschichte von Cambridge geschafft hat, einen Achter zu kippen; alle acht Ruderinnen im Wasser. Und ihr müsst wissen, dass das physikalisch eigentlich unmöglich ist! Die Übungsbote sind breit und man hat immerhin vier Ruder auf jeder Seite, die verhindern müssten, dass das Boot sich um die eigene Achse drehen kann. Bei der Größe von Cambridge kann man davon ausgehen, dass es, da es gestern passiert ist, heute schon die ganze Stadt weiß und in der nächsten Ausgabe des "Cambridge Student" stehen wird :D
 Eins noch, komplett aus dem Kontext gerissen, aber dann bin ich weg: Extrawelt spielen in Trier, im Forum!!! Ausgerechnet, wenn ich nicht da bin!!! Freundschaftskündigungsgrund, wenn einer nicht hingeht, People's Music Choice hin oder her! じゃあね

Dienstag, 16. November 2010

Adoption als lebenslanger Prozess...

...ist nur ein Gedanke in der Adoptionsforschung, doch in Anbetracht der Tatsache, dass ich schon ewig an dem bisschen Essay zu diesem Thema schreibe, erscheint er mir wie der einzig vorherrschende.
 Da kommt jede Form der Prokrastination gerade recht, wobei ich diesen Eintrag hier nicht dazu zählen würde. Dieser entsteht eher aus dem schlechten Gewissen, seit drei Tagen nichts mehr veröffentlicht zu haben. Außerdem waren die zwei letzten Einträge auch etwas mager: keine Bilder, lediglich ausgeschmückt dargestellt, dass ich einmal shoppen war und zur Zeit viel Sonic Youth höre. Auch heute wird's nicht viel mehr werden, befürchte ich, aber so schnell wird sich keine bessere Gelegenheit zum Schreiben finden.
 Wie sahen also meine letzten Tage aus? Das Wochenende: Freitag Sangria-Trinken bei Noelia und anschließend ins Vodka Revolutions, bis jenes geschlossen hat (gegen drei). Letzteres in der Art schon arg wie das Forum in Trier oder das Koi in Landshut (von Erzählungen her zumindest, ich war ja noch nie drin): Kundschaft jenseits der Zwanzig mit desperaten Annäherungsversuchen; das Traurige: die meisten waren damit erfolgreich. Einer zum Glück nicht, der war aber auch zu furchtbar, der Mann im Leopardenkleid (- die neue Erfahrung von Thomas Czikmantori). Er hat den drei spanischen Mädels, mit denen ich da war unendlich plump und lästig zugesetzt, meine Abwehrversuche dreist ignoriert.
Ein Highlight des Abends muss ich aber noch ansprechen: Die Wände waren samtig...








 Samtag Abend trafen wir uns zum zweiten Versuch des Erasmus-College-Bar-Crawl und wieder kamen wir nicht weiter als bis zur King's College Bar. War aber wieder ein lustiger Abend, eine Partie Pool mit total betrunkenen Italienern und Griechen und guten Gesprächen gegen Ende. Der Durst macht aber immer so hungrig, daher haben Noelia und ich uns vor Freude kaum halten können, als wir zwei heimatlose Stück Pizza gefunden haben. Sie waren zwar schon kalt, aber sauber und lecker. Die anderen halten uns jetzt zwar für eklig, aber wenn die mal im Krieg oder Pirat auf hoher See gewesen wären, dem Hungertod nah, dann wüssten sie, dass man kein Essen wegwirft. V.a., wenn man so einen Hunger hat!
 Es gibt doch überraschend viel zu schreiben und sogar ein paar Bilder :) also doch Prokrastination? Apropos: ich lese derzeit mehr DSLR-Objektiv-Reviews, als ein normaler Mensch aushalten kann. Und plötzlich klingen 799 € ganz vernünftig für eines von zwei oder drei Objektiven, v.a. wenn man sich die Kamera (für nochmal den gleichen Betrag) noch nicht mal angeschafft hat und gar nicht weiß, ob man immer noch so von Photographie begeistert sein wird, wenn es erst mal anspruchsvoll werden wird. Aber tief drin spüre ich, dass ich mal ein Papa sein werde, dessen Leica ihm alles bedeutet und dessen Frau ihn immer deswegen schimpft, "das ganze Geld nur für ein paar Schnappschüsse!", und die Kinder dürfen nicht an die Vitrine, wo das Schmuckstück steht, wenn es gerade nicht benutzt wird...ach ja...und ich werde Pollunder tragen und eine rahmenlose viereckige Brille tragen und Bescheid wissen, was in der Welt vor sich geht, weil ich morgens die Zeitung lesen werde. Und Cello spielen und ganz viele Fliegen und Sakkos mit Flicken tragen. Taillierte Sakkos mit Flicken, da ich in meinem Renneinser jeden zweiten Abend auf der Elbe meine Runden ziehen werde. Oder auf der Cam?
 Schluss, ich muss mich sputen. Debate-Workshop.

Freitag, 12. November 2010

My Second Youth - My Sonic Youth

 Ich musste erst nach England kommen, um all das zu tun, was ich mit 16 immer tun wollte...
Nein, diese Behauptung stimmt natürlich nicht, aber sie bietet einen guten ersten Satz und einen noch besseren Titel für den Eintrag. Mit 16 habe ich nämlich so ziemlich alles gemacht, worauf ich damals Lust hatte: Morrowind gezockt, meine erste elektronische Musik komponiert (damals noch als Schnietznje, später erst als TonGolem) und die E-Gitarre in meiner Rock-Band gespielt. Im Moment lebe ich das Bilderbuch-College-Leben: Im Morgen- Grauen rudere ich dem Sonnenaufgang entgegen, im College grüße ich von Weitem meine Kollegen mit "Howzitgoin?" und abends bin ich wieder am Rudern, diesmal auf den Ergos im College-Gym. Im Takt mit den Seniors. Wie ein Uhrwerk, die Anstrengung in Trance vernebelt. Ich brauche also nur noch einen Hoodie mit meinem College-Wappen für's perfekte Glück. Und eine blonde 45-Kilo-Cheerleader-Freundin namens Amber :D
 Aber wie komme ich auf den ganzen Scheiß hier? Eigentlich wollte ich nur schreiben, dass ich den ganzen Tag Sonic Youth höre, rauf und runter. You(th)tube, Spotify und Walkman, wo immer ich bin. Und das gibt mir das Gefühl wieder 16 zu sein. Vielleicht sind Sonic Youth aber auch einfach die/das Nirvana der 20er. Denn ich gehe definitv auf die Mitte meiner 20er zu. Bemerkbar an kritischen Bemerkungen, die aus britischer Höflichkeit mit einem Kompliment beginnen: "Hey Thomas, come here, sit down beside me. From all novices you have by far the best technique, but (there's always a big hairy but(t) lurking around the corner) on the ergs you gotta pull harder - by far. A 2:10 would be a good start...". Ich hatte eine 2:25. Supi ^^
 Für einen Eindruck von dem Ausdruck von der Jugendlichkeit, von der ich schrieb: http://www.youtube.com/watch?v=CY5IEsms6ck

Donnerstag, 11. November 2010

Tailored Fit

 Sorry, aber das ist jetzt mal nen Eintrag wert:

Bin mal eben in den T.K. Maxx gehuscht, weil ich grad in der Gegend war und noch ein weißes Hemd brauchte (eigentlich auch schwarze Schuhe und einen Schwarzen Anzug, aber hey, ich wollte nicht zu viel Zeit verlieren). Das war vor drei Stunden. Clearance hier, Clearance da, Better Value und ganz viele rote Preisschildchen.
 Ergebnis (vom Günstigsten zum Teuersten, weil's dann spannender ist):
- Dunkeltürkiser Pullover mit V-Ausschnitt von Filati: £ 7 - UVP £ 48 (das billigste, aber eigentlich mein Lieblingsstück)
- Dunkelbeiger Pullover mit V-Ausschnitt von Belika: £ 8 - UVP £ 45
- Karmesinrotes Poloshirt mit Botton-Down-Kragen von Peter Werth: £ 8 - UVP £ 45
- Fliederfarbenes Kurzarm-Hemd von Moschino: £ 13 - UVP £ 212,50
- Schwarzes Einknopf-Sakko mit weißen Nadelstreifen von Ben Sherman: £ 15 - UVP leider nicht angegeben, aber wohl um die £ 120
- Blau-weiß-rot karierte Segler-Short für den Frühling von Ralph Lauren Sportswear: £ 30 - UVP
£ 90
- Schwarzes Einknopf-Sakko von Costume National Homme mit großartiger Wolle-Baumwolle-Seide-Zusammensetzung und Innefutter aus 100% Baumwolle:
£ 49 - UVP £ 670 (aufgrund des D&G-Kleiderhakens irrtümlicher Weise für D&G gehalten, vielleicht tausch ich's wieder um, trotz der grandiosen Qualität).

 Rechner: £ 130 - UVP £ 1408,50. Ich liebe sowas :D
Jetzt fragt ihr natürlich schon die ganze Zeit, "und, hat er sich jetzt weiße Hemden gekauft, oder nicht???", ja hab ich und je nach fehlender Passung kann ich sie zurückbringen (waren ultra-verpackt, daher konnt ich sie da nicht anprobieren), aber eins macht schon mal einen perfekten Eindruck: Lambretta Slim Cut mit Haifisch-Kragen für £ 16,99.

Auf zum Ergo-Training um in den Slim Cut rein zu slimmen!

Mittwoch, 10. November 2010

Blaspehmie

 Wenn der Name Christi lautstark von alkoholisierten Studenten gegröhlt wird, kann es sich nur um einen Ruderwettbewerb in Cambridge handeln.
Doch Blasphemie scheinen die Rudergötter wohl gesonnen zu sein, denn die Mädchenmannschaft des Jesus College hat an diesem Abend beim Queens Ergs gewonnen. Aber auch dieser Satz Blasphemie, da dieser Wettbewerb eigentlich nichts mit Rudern zu tun hat, wenn man mal davon absieht, dass die Maschinen die bedienen und bedient werden ein "Ruder" im Namen tragen. Doch Spaß hat es gemacht und ist das schließlich nicht der Zweck von Blasphemie?
 Es gab jedoch einen Wermutstropfen; aufgrund einer Verletzung konnte der Sportler mit der Nummer 1 nicht ins Rennen gehen, Thomas Czikmantori. Er hatte nach dem Ergo-Training am Tag zuvor so schlimme Wadenkrämpfe, dass er selbst am nächsten Tag noch Mühe hatte Treppen zu steigen. Und zwar hinab! Erwägt hatte er schon, ob er nicht trotzdem den Kampf mit den 500m antreten sollte; er hatte auch ausprobiert, ob er ein paar lockere Züge am Ergometer leisten könnte und selbst bei einem Split von 1:30 (was schon schnell ist, was man aber als ungeübter Thomi nicht länger als 100m durchhält) protestierten die in Mitleidenschaft gezogenen Muskeln nicht, doch würde er die 500m durchstehen? Und selbst wenn, würde er seiner Mannschaft mit einer Durchschnittszeit von, sagen wir mal, 2:00 einen Gefallen tun?
  Ich wurde ersetzt, was uns aber nicht davon abhielt den letzten Platz zu belegen. Schon schade, aber das Event als solches war den Besuch wert. Die Leute sind so abgegangen! Auch ich hab meine Stimme stummgeschrien.
 Die Hand am Ruder - das neue Leben von Thomas Czikmantori.

 

 Das Video zeigt das beste Mädel vom Jesus College, das im Finale mit ihren Mitstreiterinnen das Rennen macht und dabei eine ähnlich gute Zeit fährt wie ich als Mann...und ihr müsst mal ab Sekunde 0:45 zum rechten Bildrand schauen, da flippt ein Mädel beim Anfeuern total aus :) Das ist Sportsgeist! Meinen Respekt.