Freitag, 29. Oktober 2010
Der erste Besuch aus Deutschland
Muss grad mal Bobby Dylan wegschalten, da ich mich sonst nicht auf's Schreiben konzentrieren kann. Marius war da! Und es war ne gute Zeit! Auch wenn ich ihm doch manch unnötigen Weg angetan habe - das v.a. ausgerechnet vor dem Essen! - so hat er doch alles gesehen, was man gesehen haben sollte. Mehr oder weniger alles gegessen und getrunken, was man gegessen und getrunken haben sollte (bei Soft Cod Roes hab ich dann ne Ausnahme gemacht). Und mehr oder weniger alles photographiert, was man photographiert haben sollte. So kurz sein Aufenthalt war, so kurz lässt er sich auch zusammenfassen (Essen, Trinken, Photographieren), wobei jene Zusammenfassung natürlich niemals den kleinen Details gerecht werden kann, welche ein Abenteuer ausmachen. Sein Abenteuer wird wohl er schildern müssen, wie er z.B. in den ersten Stunden als Besitzer eines Superbikes bei englischem Linksverkehr Bekanntschaft mit Bordsteinen und Gräben gemacht hat. Mein Abenteuer, wie ich z.B. versucht habe zwei Supervisionen in zwei Tagen mit simulatnem Besuch aus Deutschland zu vereinen, während ich mich von der Fresher's Flu erholen sollte. All das haben wir gemeistert und Marius ist nach meinem Wissen wohlbehalten mit seinen zusätzlichen 900cm³ und den Weingummis für 70p im guten alten Trier angekommen und ich bin fit für das exzessive Halloween-Wochenende. Zu letzterem möchte ich anmerken, dass in einer verkleidungswütigen Stadt wie Cambridge Halloween natürlich nicht eine Nacht dauert, auch kein Wochenende, sondern mindestens eine Woche! Schon am ersten Abend, da Marius und ich nach Nahrung suchend durch die Straßen streunten, sahen wir Hexen und Frankensteins, Vampire und Zombies. Überraschender Weise keine Edwards...
Genug der Worte, lasst die Bilder sprechen, nur noch eines an Marius: Bist immer wieder ein gerne gesehener Gast!
Genug der Worte, lasst die Bilder sprechen, nur noch eines an Marius: Bist immer wieder ein gerne gesehener Gast!
| Tag 1: Photo vom Abendessen |
| Tag 2: Photo vom Photo vom Frühstück |
| Tag 2: Photo vom Photo vom... |
| Tag 2: Breaking the LAW (results were RAW! ...and jpeg) |
| Tag 2: siehe Tag 1 |
Sonntag, 24. Oktober 2010
Traum und Albtraum
Ich werde oft gefragt, "Thomas, wenn du ein Photograph wärst, welche Kamera würdest du dir kaufen?". Meine Antwort lautet stets "Ha hah, das ist eine interessante Frage, mein Lieber! Es wäre eine Leica M9.".
Aber ganz im Ernst: ich werde das nie gefragt.
Heute wollte ich eigentlich über unsere Universitätsbibliothek schreiben - und das werde ich auch -, aber vorher möchte ich noch von dem Traum erzählen, von dem ich vor einigen Stunden erwacht bin. Es war eine irrwitzige und äußerst gewalttätige Jagd nach einer Serienmörderin, die aber eine Schwäche hatte (welche wir natürlich erst ganz zum Schluss herausgefunden haben): Sie musste immer ihren Pfand zurückbringen. Ohne Witz, in der letzten Szene des Traumes bringen wir sie zu Fall, indem wir all ihre Glasflaschen, die noch übrig sind, aus dem riesigen Kofferraum ihres Kombis kistenweise auf die Straße kippen, sodass diese auf dem Pflasterstein zerplatzen. In ihrer Pein merkt sie nicht, wie einer der mutigen Detektivfreunde sich von hinten mit einem Morgenstern an sie heranschleicht und ihr mit diesem den Schädel zertrümmert. Happy End, aufgewacht :)
Obwohl ich gestern etwas krank geworden bin, muss daher heute trotzdem ein guter Tag werden! Jeder ist krank in Großbritannien. Ich hätte den Ausbruch durch eine mehrtägige Schonzeit mit viel Pflaume-Zimt-Tee fast verhindern können, doch kam mir ein Wasserkocher (oder besser: eine Wasserkocherin) in die Quere; ein schlaues Mädchen kam um ein Uhr nachts nämlich auf die schlaue Idee, noch Wasser kochen zu müssen und scheinbar ist irgendetwas schief gegangen, jedenfalls hat sie den Feueralarm ausgelöst. Das heißt: Aus dem schönen warmen Bett rollen, sich noch eine Hose anziehen, in die Flip Flops schlüpfen und so schnell wie möglich in die rettende, eiskalte Nacht fliehen. Wenn man nämlich zu langsam evakuiert, gibt es Extrafeueralarmübungen für alle. Nun, da standen wir, die Dopaminproduktion florierte und mir war kalt. Das war der letzte Tropfen, den ich seit Tagen umschiffte...
Aber eigentlich sollte es um die Universitätsbibliothek gehen. Haile sagt immer "you could just die in there" und sie hat Recht. Sie ist gigantisch, selbst wenn man nur den sichtbaren Teil betrachtet. Es gibt angeblich noch einen Keller, in dem die kostbaren Bücher aufbewahrt werden, aber jene sind für mein junges Fach nicht von Belang. Aber cool wäre es dennoch, einen Bibliotheksmitarbeiter mit einer Fackel in die Katakomben des Backsteingiganten zu schicken und mit Ghouls ringen zu lassen, um mir schließlich einen alten verstaubten Folianten mit aller Behutsamkeit auf die Theke zu betten. Jede Seite mit einer Pinzette umwälzen...ach.
Durch eine Drehtür gelangt man in die Eingangshalle, wo Marmorstatuen von Römischen Feldherren stehen, daneben moderne Portraits von schlauen Köpfen.
Links ab in einen Gang hinter dem sich hunderte blauer Schließfächer verstecken, welche mit selbstgewählten Codes ab- und wieder aufgeschlossen werden können. Zu den Büchern gelangt man nur, wenn man seine Universitätskarte abscannen lässt. Dies entriegelt eine weitere Drehtür. Ihr seht, von außen wie von innen gleicht sie einem Gefängnis.
Die ersten Gänge, die man zu Gesicht bekommt sind beeindruckend, Regale und Tische aus edlen Hölzern, hängende Lampen und alte Bücher. Das Photo davon leider nur mäßig, da das Photographieren in diesen Gemäuern vermutlich nur sehr ungern gesehen würde, daher im Verborgenen geschah. Ihr müsst euch vorstellen: Wenn man kein Akademiker ist, muss ein Referenzschreiben mitbringen und blechen, damit man überhaupt rein darf. In den ersten beiden Studienjahren darf man nichts ausleihen; etc., etc..
Zur Psychologieabteilung, welche sich über drei Stockwerke erstreckt, kommt man über ein enges Treppenhaus im Südflügel. Damit ihr nachvollziehen könnt, warum ich für mein erstes Buch fast eine Stunde gebraucht habe, um es zu finden:
Über uns: ein Gang in der Psychologie- abteilung.
Neben uns: ein Nebengang mit den entsprechenden Büchern.
Da in den Regalen kein Platz mehr war, ist man auf die Tische ausgewichen.
How could you guess, I might have trouble finding my book? Eine Beispielsignatur: das Buch The "Sissy Boy Syndrome" von Richard Green, mit dem ich gestern abgeschlossen habe: 244.c.98.781.
Die erste Zahl geht glaub ich von 100 bis 999 und ist nicht in aufsteigender Reihenfolge sortiert (so wie eigentlich gar nichts in dieser Bibliothek). Es gibt a bis d, aber auch jeweils 1,2,3, und 4 a bis d. Die nächste Zahl ist zwei oder auch manchmal dreistellig, die nächste geht glaub ich bis unendlich :)
Aber: jedes Buch, dass sie als verfügbar angeben, ist auch genau auf seinem Platz. Nice.
Ein Blick hinter die Ostfassade, da ihr sonst einen falschen Eindruck durch das erste Bild vermittelt kriegt. Aber ich mag die Architektur.
Der japanische Bronzewächter vor dem Aoi-Pavillion (japanische und chinesische Werke), der zu wissen scheint, dass ich nur PPS studiere...
Zwei Zahlen, die euch in Erstaunen versetzen sollen: über 7.000.000 Bücher und 1.500.000 Zeitschriften. Wer in Trier studiert, weiß, dass ist mehr als das Sechsfache der Trierer Universitätsbibliothek. Warum? Die UL besitzt das Pflichtexemplarrecht, kriegt also ein kostenfreies Exemplar jedes Buches, jeder Zeitschrift, jedes Plans und jeder Partitur, der/die/das in Großbritannien und Irland herausgebracht wird.
Der ganze Rest steht in den zahlreichen Fakultäts- und Collegebibliotheken. Kein Wunder, dass meine Leselisten immer so lang sind...
Aber ganz im Ernst: ich werde das nie gefragt.
Heute wollte ich eigentlich über unsere Universitätsbibliothek schreiben - und das werde ich auch -, aber vorher möchte ich noch von dem Traum erzählen, von dem ich vor einigen Stunden erwacht bin. Es war eine irrwitzige und äußerst gewalttätige Jagd nach einer Serienmörderin, die aber eine Schwäche hatte (welche wir natürlich erst ganz zum Schluss herausgefunden haben): Sie musste immer ihren Pfand zurückbringen. Ohne Witz, in der letzten Szene des Traumes bringen wir sie zu Fall, indem wir all ihre Glasflaschen, die noch übrig sind, aus dem riesigen Kofferraum ihres Kombis kistenweise auf die Straße kippen, sodass diese auf dem Pflasterstein zerplatzen. In ihrer Pein merkt sie nicht, wie einer der mutigen Detektivfreunde sich von hinten mit einem Morgenstern an sie heranschleicht und ihr mit diesem den Schädel zertrümmert. Happy End, aufgewacht :)
Obwohl ich gestern etwas krank geworden bin, muss daher heute trotzdem ein guter Tag werden! Jeder ist krank in Großbritannien. Ich hätte den Ausbruch durch eine mehrtägige Schonzeit mit viel Pflaume-Zimt-Tee fast verhindern können, doch kam mir ein Wasserkocher (oder besser: eine Wasserkocherin) in die Quere; ein schlaues Mädchen kam um ein Uhr nachts nämlich auf die schlaue Idee, noch Wasser kochen zu müssen und scheinbar ist irgendetwas schief gegangen, jedenfalls hat sie den Feueralarm ausgelöst. Das heißt: Aus dem schönen warmen Bett rollen, sich noch eine Hose anziehen, in die Flip Flops schlüpfen und so schnell wie möglich in die rettende, eiskalte Nacht fliehen. Wenn man nämlich zu langsam evakuiert, gibt es Extrafeueralarmübungen für alle. Nun, da standen wir, die Dopaminproduktion florierte und mir war kalt. Das war der letzte Tropfen, den ich seit Tagen umschiffte...
Durch eine Drehtür gelangt man in die Eingangshalle, wo Marmorstatuen von Römischen Feldherren stehen, daneben moderne Portraits von schlauen Köpfen.
Links ab in einen Gang hinter dem sich hunderte blauer Schließfächer verstecken, welche mit selbstgewählten Codes ab- und wieder aufgeschlossen werden können. Zu den Büchern gelangt man nur, wenn man seine Universitätskarte abscannen lässt. Dies entriegelt eine weitere Drehtür. Ihr seht, von außen wie von innen gleicht sie einem Gefängnis.
Die ersten Gänge, die man zu Gesicht bekommt sind beeindruckend, Regale und Tische aus edlen Hölzern, hängende Lampen und alte Bücher. Das Photo davon leider nur mäßig, da das Photographieren in diesen Gemäuern vermutlich nur sehr ungern gesehen würde, daher im Verborgenen geschah. Ihr müsst euch vorstellen: Wenn man kein Akademiker ist, muss ein Referenzschreiben mitbringen und blechen, damit man überhaupt rein darf. In den ersten beiden Studienjahren darf man nichts ausleihen; etc., etc..
Zur Psychologieabteilung, welche sich über drei Stockwerke erstreckt, kommt man über ein enges Treppenhaus im Südflügel. Damit ihr nachvollziehen könnt, warum ich für mein erstes Buch fast eine Stunde gebraucht habe, um es zu finden:
Über uns: ein Gang in der Psychologie- abteilung.
Neben uns: ein Nebengang mit den entsprechenden Büchern.
Da in den Regalen kein Platz mehr war, ist man auf die Tische ausgewichen.
How could you guess, I might have trouble finding my book? Eine Beispielsignatur: das Buch The "Sissy Boy Syndrome" von Richard Green, mit dem ich gestern abgeschlossen habe: 244.c.98.781.
Die erste Zahl geht glaub ich von 100 bis 999 und ist nicht in aufsteigender Reihenfolge sortiert (so wie eigentlich gar nichts in dieser Bibliothek). Es gibt a bis d, aber auch jeweils 1,2,3, und 4 a bis d. Die nächste Zahl ist zwei oder auch manchmal dreistellig, die nächste geht glaub ich bis unendlich :)
Aber: jedes Buch, dass sie als verfügbar angeben, ist auch genau auf seinem Platz. Nice.
Ein Blick hinter die Ostfassade, da ihr sonst einen falschen Eindruck durch das erste Bild vermittelt kriegt. Aber ich mag die Architektur.
Der japanische Bronzewächter vor dem Aoi-Pavillion (japanische und chinesische Werke), der zu wissen scheint, dass ich nur PPS studiere...
Zwei Zahlen, die euch in Erstaunen versetzen sollen: über 7.000.000 Bücher und 1.500.000 Zeitschriften. Wer in Trier studiert, weiß, dass ist mehr als das Sechsfache der Trierer Universitätsbibliothek. Warum? Die UL besitzt das Pflichtexemplarrecht, kriegt also ein kostenfreies Exemplar jedes Buches, jeder Zeitschrift, jedes Plans und jeder Partitur, der/die/das in Großbritannien und Irland herausgebracht wird.
Der ganze Rest steht in den zahlreichen Fakultäts- und Collegebibliotheken. Kein Wunder, dass meine Leselisten immer so lang sind...
Donnerstag, 21. Oktober 2010
So viele Kirchen...
Diesmal nicht ganz ohne Worte und auch nicht ausschließlich Kirchen. Gestern konnte ich es mir bei strahlendem Sonnenschein nicht nehmen lassen, nach den Veranstaltungen erstmal auf Photo-Tour zu gehen. Auch wenn es unsinnig erscheinen mag, jetzt noch mit der Hundert-Euro-Schnappschusskamera auf die Pirsch zu gehen, wo ja bald die DSLT anrückt, so nennt das Wort "Pirsch" doch den entscheidenden Vorteil: sie ist klein. Oft ist das Photographieren verboten oder stört die Betenden, daher ist eine unauffällige, diskrete und leise Kamera ganz gut. Und da sie so eingschränkte manuelle Möglichkeiten besitzt, ist es für mich auch einfacher zu wissen, was ich tue :)
Meine heutige Photostrecke umfasst ein kleines (ich glaube baptistisches) Kirchlein, das ich regelmäßig von unserem Seminarraum im Centre for Family Research aus sehen kann, die Universitätskirche Church of St Mary the Great und die College-Kapelle von St Johns, dem reichsten College hier in Cambridge. Und das will was heißen...
Der Höhepunkt war natürlich die Kapelle von St Johns. Überraschend war, dass der Turm nicht etwa ein Vierungsturm wie so oft in England ist, sonder ein Westeinturm über einem T-förmigen Grundriss. Ihr Interieur wirkte auf mich wie eine britische Version der Sainte-Chapelle in Paris, die ich nächstes Jahr hoffentlich mit eigenen Augen sehen darf, wenn ich Lilly besuchen fahre :)
Die Kapelle schafft es, einen sofort in ihrer sakralen Stimmung einzufangen. Ich liebe es, wenn Kirchen das schaffen. Man spürt, dass sie reich ist, aber der Reichtum drängt sich einem nicht auf. Die Formen sind beeindruckend, aber nicht erschlagend. Das Licht ist perfekt, nicht zum Photographieren, aber zum Beten und zur-Ruhe-Kommen. Man muss ja, wenn man nicht Mitglied von St Johns ist, dieses College hassen, doch eins muss man ihnen lassen: ihre Kapelle rockt. Und nicht nur die, wie ihr sehen werdet.
Das College hat zu und in allem Über- fluss einen ausge- dehnten Park mitten in der Innen- stadt. Mehrere, um genau zu sein. Doch natürlich ist es bei Todesstrafe verboten, das Grün zu betreten. Dieses erste Bild erinnert mich an die Photos meiner Tante aus ihrem Türkeiurlaub, nur dass der Herbst und die Abendsonne das ganze paradoxer Weise wärmer wirken lassen, obwohl ein kalter Wind meine Hände blutig geschunden hat...
Einem Palast gleich erhebt sich am Ufer der Cam ein Teil der Wohn- anlage von St Johns. Ginge man in diesem Komplex von uns aus gesehen nach rechts, überquerte man das feine Flüsschen über die Seufzerbrücke, von der ich ein Bild im Eintrag über das Punting veröffentlich habe.
Ein letztes Bild und dann seid ihr durch. Diesmal sogar mit Menschen drauf! Jedoch ein Anblick, der wohl in kaum einer anderen Stadt, als in Cambridge üblich sein dürfte...holt eure Zauberstäbe raus ;) ach übrigens, wenn Briten in eurem Beisein über Harry Potter reden, tut so, als wärt ihr ebenso fanatisch begeistert (npi), denn sie sind es indeed! Der enttäuschte Blick auf meine Antwort, dass ich kaum ein Wort von dem, was gerade gesprochen wurde, verstanden hätte, war jener eines sechsjährigen Buben, der zu Weihnachten nicht die ersehnte wii bekommen hat. Mit dem Unterschied, dass der Bub in meinem Fall achtzehn war und daher auch einiges an Ekel in den Blick zu legen vermochte.
Ich bin abgeschwiffen.
Harry Potter in den Straßen meiner Stadt
- das neue Buch von Thomas Czikmantori.
Slut.
Dienstag, 19. Oktober 2010
The Gras is Always Greener on the Other Side...
...except when you're in England.
Nach dem Motto "grüner wird's nimmer" gaben wir gestern ordentlich Gas und katapultierten uns mit diesem Satz auf das Niveau von Possenreißern wie Taff, Bild und den RTL2-Nachrichten. Ebenso in die gleiche Liga, wie deren Konsumenten: Denn wer denkt, dass Cambridge nur aus Spießern besteht, die in dunklen Roben nach lateinischem Gebet mit zwölf verschiedenen Bestecken essen (und dabei den Finger abspreizen), hat zwar recht, vergisst aber, dass eben diese Menschen auch zu Orgien fähig sind, die jenen gleichen, wegen derer die Deutschen auf Mallorca so beliebt sind. Das englische Äquivalent (zumindest in Cambridge) scheint jedenfalls der Besuch eines indischen Restaurants zu sein, Mahal. Verzeihung: der verkleidete Besuch. Einen Vorgeschmack auf mein Outfit hatte ich ja schon gegeben. Das Motto war übrigens "Anything but Clothes". Das Oberbekleidungsmaterial meiner Wahl waren "Sainsbury's DIY Sacks - For Heavy Duty" und Heavy Duty indeed, wie das Vorher-Nachher-Photo belegt:
Und scheint es nicht schicksalhaft, dass die Tüten "Do It Yourself" im Namen tragen?
Es war einer der besten Abende bisher! In vino veritas, denn nicht nur, dass er im Restaurant £5 pro Flasche kostete und man auch selber welchen mitbringen durfte, nein, auch das Trinkspiel "Safe the Queen" sorgte für eine Schwindel erregende Trinkgeschwindeligkeit. Immer wenn ein Penny (auf der Rückseite ist die Queen drauf) in einem Glas landete, musste es geext werden. War das Glas beim Münzeinwurf leer, musste man es bis oben hin füllen, bevor man es wieder austrank. Eine intelligente Nachfüllpolitik war daher der Schlüssel zur Sicherung des eigenen Überlebens. Zudem konnte jeder am Tisch (also 55 Ruderer und Innen) jederzeit aufstehen und eine "Gerneral Fine" aussprechen, welche jeden zum Trinken zwang, welcher den ausgesprochenen Bußgrund erfüllte. So standen die meisten auf und tranken, als eine General Fine für alle 1990 oder später Geborenen erhoben wurde; ich blieb einsam und verbraucht sitzen.
Die Fülle an Trinkspielen und anderen Absurditäten war grenzenlos, daher führe ich nur noch ein Beispiel an, welches die britische Kreativität, doch auch Dekadenz illustrieren soll: Das Spiel trug den Namen "Zieh-schnell-einen-Schuh-aus-und-setz-ihn-dir-auf-den-Kopf,-sonst-musst-du-aus-selbigem-trinken!". Das war, wie ihr euch vorstellen könnt, meine Lieblingsdisziplin, da ich erst den DIY-Sack von meinem Fuß reißen musste, die Schnürsenkel hektisch auffieseln und dann unter dem Tisch hervorkriechend (wir saßen sehr eng, wie die folgenden Photos noch zeigen werden) den Schuh einer kostbaren Trophäe gleich auf dem Kopf präsentieren musste. Auf Deutsch kann man so schöne lange Sätze bilden... :) Bilder, là!
Das Essen war lecker, es gab diese frittierte Vorspeise mit svariaten Chutneys und danach einen Hauptgang. Leider habe ich keine Ahnung von indischem Essen, daher bestellte ich "something vegetarian and not too hot, please". Seltsam, dass in dem Restaurant eines Landes, in dem nach meinem Wissen die meisten Vegetarier leben (waren es nicht sogar um die 40 Prozent?), fast nur Gerichte mit Fleisch gereicht werden? Chicken Tandoori hier, Lamb Vindalho da. Vermutlich ist das nur wieder eine verzerrte Auswahl für die europäischen Konsumenten...die Briten essen so viel Fleisch!
Ich hatte zum Glück einen kompetenten Tischnachbarn, der mich mit seinem Wissen durch den Abend gebracht hat. Britische Trinkspiele und Regeln, Tips bei indischem Essen. Ich habe natürlich seinen Namen vergessen, obwohl ich ihn an diesem Abend nicht zum ersten Mal getroffen habe. Er studiert Mathematik und ist halb Sri Lankanese, geht Rudern, spielt Badminton und Ultimate Frisbee, die Schuhgröße seiner Mutter ist eine britische 8, aber der Name?
Nach dem Motto "grüner wird's nimmer" gaben wir gestern ordentlich Gas und katapultierten uns mit diesem Satz auf das Niveau von Possenreißern wie Taff, Bild und den RTL2-Nachrichten. Ebenso in die gleiche Liga, wie deren Konsumenten: Denn wer denkt, dass Cambridge nur aus Spießern besteht, die in dunklen Roben nach lateinischem Gebet mit zwölf verschiedenen Bestecken essen (und dabei den Finger abspreizen), hat zwar recht, vergisst aber, dass eben diese Menschen auch zu Orgien fähig sind, die jenen gleichen, wegen derer die Deutschen auf Mallorca so beliebt sind. Das englische Äquivalent (zumindest in Cambridge) scheint jedenfalls der Besuch eines indischen Restaurants zu sein, Mahal. Verzeihung: der verkleidete Besuch. Einen Vorgeschmack auf mein Outfit hatte ich ja schon gegeben. Das Motto war übrigens "Anything but Clothes". Das Oberbekleidungsmaterial meiner Wahl waren "Sainsbury's DIY Sacks - For Heavy Duty" und Heavy Duty indeed, wie das Vorher-Nachher-Photo belegt:
Und scheint es nicht schicksalhaft, dass die Tüten "Do It Yourself" im Namen tragen?
Die Fülle an Trinkspielen und anderen Absurditäten war grenzenlos, daher führe ich nur noch ein Beispiel an, welches die britische Kreativität, doch auch Dekadenz illustrieren soll: Das Spiel trug den Namen "Zieh-schnell-einen-Schuh-aus-und-setz-ihn-dir-auf-den-Kopf,-sonst-musst-du-aus-selbigem-trinken!". Das war, wie ihr euch vorstellen könnt, meine Lieblingsdisziplin, da ich erst den DIY-Sack von meinem Fuß reißen musste, die Schnürsenkel hektisch auffieseln und dann unter dem Tisch hervorkriechend (wir saßen sehr eng, wie die folgenden Photos noch zeigen werden) den Schuh einer kostbaren Trophäe gleich auf dem Kopf präsentieren musste. Auf Deutsch kann man so schöne lange Sätze bilden... :) Bilder, là!
| Wer zuletzt die Hände an der Wand (oder an der Decke) hat, muss trinken. Die Inder antworteten mit Besen. |
| Es gab so viel zu trinken, dennoch waren manche um jeden Tropfen verzweifelt bemüht. |
| "General Fine, if you'd rather be Oxford than St. Johns" (= reichstes College) Und dann beginnen zwei Tische der eigentlich gleichen Universität gegeneinander zu singen...im falschen Stolz macht selbst der Tor dem klugen Mann nichts vor. |
Ich hatte zum Glück einen kompetenten Tischnachbarn, der mich mit seinem Wissen durch den Abend gebracht hat. Britische Trinkspiele und Regeln, Tips bei indischem Essen. Ich habe natürlich seinen Namen vergessen, obwohl ich ihn an diesem Abend nicht zum ersten Mal getroffen habe. Er studiert Mathematik und ist halb Sri Lankanese, geht Rudern, spielt Badminton und Ultimate Frisbee, die Schuhgröße seiner Mutter ist eine britische 8, aber der Name?
| nice crotch. fits the mask. |
Schließlich suchten wir noch die College-Bar heim
Und ich fühlte betrunken mich wie drei Uhr morgens,
Als ich um halb zwölf noch am selben Tag zu Bette ging.
Sonntag, 17. Oktober 2010
Delikat Essen
Gestern habe ich Bekanntschaft mit einer englischen Delikatesse gemacht. Ohne es zu wissen. Ich ging davon aus, dass "Soft Cod Roes" eine Fischsorte ist oder zumindest der weiche Teil einer Fischsorte. Nun, ganz streng genommen stimmt das sogar, aber dazu später mehr. Ich nahm also diese Dose und öffnete sie fachgerecht. Der Anblick war überraschend, da ich mit zarten Fischfilets in eigenem Saft gerechnet hatte. Stattdessen erwartete mich dies:
Jetzt hatte ich schon dafür gezahlt und Hunger hatte ich auch, es roch nach Fisch und giftig würde es schon nicht sein, daher kostete ich einen Bissen. Der Geschmack war gar nicht so übel, aber die Konsistenz war wiederlich; ähnlich wie das Hühnerhirn in der rumänischen Sauerkrautsuppe, als ich noch ein Kind war. Also: Was sind "Soft Cod Roes"? Ich machte den Fehler, sie zuerst zu kosten und dann zu recherchieren. Delikat gesagt ist es die männliche Version von Kaviar, mit den Worten von Rammstein ist es "Fischmilch" und der erste Gedanke, den man hat, nachdem man gerade von dieser Köstlichkeit genascht hat, ist "in my stomach now resides a fishy cumshot without disguise". Sperma.
An jenem Abend jedoch sollte sich mein kulinarisches Schicksal wenden. Um 702pm schrieb mir meine studentische Mutter Grace an die Pinnwand, um 730pm fände ein Familien-Dinner in ihrer Wohnung statt. Um 715pm las ich die Nachricht. Ich hatte nicht wirklich Lust. Und Hunger auch nicht. Um 722pm klopfte es an meiner Tür. Ein unbekanntes Mädchen sagte mir, sie sei von Grace geschickt worden mich zu informieren, dass um 730pm das Familien-Dinner in Graces Wohnung stattfände. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits Zähne geputzt und meine Kleidung für den Abend auf das Bett gelegt. Ich schloss die Tür und begann mich umzuziehen. Um 723pm klopfte es an meiner Tür. Ich öffnete rasch die Tür - ohne zu bedenken, dass ich halbnackt war. Ein mir bekanntes Mädchen, das eine ungewohnt irritierte Miene pflegte, sagte mir, sie sei von Grace geschickt worden mich zu informieren, dass um 730pm das Familien-Dinner in Graces Wohnung stattfände. Ich zählte ihre Blicke. Belustigt schloss ich dir Tür, machte mich weiter fertig für den Abend. Lisanne und ich waren um 745pm in Graces Wohnung, wo wir mit Weißwein empfangen wurden. Nach einer kleinen Aperitif-Runde ging es ans Buffet. Es war das beste Essen seit meiner Ankunft in Cambridge und dies ist keine leichtfertige Aussage. Als Beleg kann ich quantitative Daten anführen: 3 vollgepackte Teller, obwohl ich keinen Hunger hatte. Einen Beispielteller finden Sie in Abb. 1.
Ich nehme an, das Essen sieht nicht ganz so gut aus, wie es geschmeckt hat, aber zu sehen sind Couscous mit gebratenem Gemüse, ein Zucchinensalat mit Feta und Oliven, gekochte Kartoffeln mit Rahm, raffinierte Tomaten-Blätterteig-Törtchen und schließlich ein Salat aus Spinat, Rosinen und Speck an einer Balsamico-Crème. Ihr wisst, ich mag keinen Speck, aber dieser Salat war einfach das Beste! Hab mir das Rezept geben lassen :) Das Dinner mundete den Mündern und mündete in ausgelassenes Trinken und Schwätzen, nachdem das stille Schmatzen in seiner Konversationslosigkeit den Meisterköchen seinen Dank aussprach.
Heute Abend geht das Dinnieren und Feiern weiter, der SCCBC-Mahal steht an. St Catherine's College Boat Club. Das Motto dürft ihr anhand dieses kontrastreichen Bildes, auf dem jedoch nur meine Kopfbedeckung zu sehen ist, erraten. Ein Tipp: Es geht um das Material.
Jetzt hatte ich schon dafür gezahlt und Hunger hatte ich auch, es roch nach Fisch und giftig würde es schon nicht sein, daher kostete ich einen Bissen. Der Geschmack war gar nicht so übel, aber die Konsistenz war wiederlich; ähnlich wie das Hühnerhirn in der rumänischen Sauerkrautsuppe, als ich noch ein Kind war. Also: Was sind "Soft Cod Roes"? Ich machte den Fehler, sie zuerst zu kosten und dann zu recherchieren. Delikat gesagt ist es die männliche Version von Kaviar, mit den Worten von Rammstein ist es "Fischmilch" und der erste Gedanke, den man hat, nachdem man gerade von dieser Köstlichkeit genascht hat, ist "in my stomach now resides a fishy cumshot without disguise". Sperma.
An jenem Abend jedoch sollte sich mein kulinarisches Schicksal wenden. Um 702pm schrieb mir meine studentische Mutter Grace an die Pinnwand, um 730pm fände ein Familien-Dinner in ihrer Wohnung statt. Um 715pm las ich die Nachricht. Ich hatte nicht wirklich Lust. Und Hunger auch nicht. Um 722pm klopfte es an meiner Tür. Ein unbekanntes Mädchen sagte mir, sie sei von Grace geschickt worden mich zu informieren, dass um 730pm das Familien-Dinner in Graces Wohnung stattfände. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits Zähne geputzt und meine Kleidung für den Abend auf das Bett gelegt. Ich schloss die Tür und begann mich umzuziehen. Um 723pm klopfte es an meiner Tür. Ich öffnete rasch die Tür - ohne zu bedenken, dass ich halbnackt war. Ein mir bekanntes Mädchen, das eine ungewohnt irritierte Miene pflegte, sagte mir, sie sei von Grace geschickt worden mich zu informieren, dass um 730pm das Familien-Dinner in Graces Wohnung stattfände. Ich zählte ihre Blicke. Belustigt schloss ich dir Tür, machte mich weiter fertig für den Abend. Lisanne und ich waren um 745pm in Graces Wohnung, wo wir mit Weißwein empfangen wurden. Nach einer kleinen Aperitif-Runde ging es ans Buffet. Es war das beste Essen seit meiner Ankunft in Cambridge und dies ist keine leichtfertige Aussage. Als Beleg kann ich quantitative Daten anführen: 3 vollgepackte Teller, obwohl ich keinen Hunger hatte. Einen Beispielteller finden Sie in Abb. 1.
| Abb. 1: Yummy. |
Ich nehme an, das Essen sieht nicht ganz so gut aus, wie es geschmeckt hat, aber zu sehen sind Couscous mit gebratenem Gemüse, ein Zucchinensalat mit Feta und Oliven, gekochte Kartoffeln mit Rahm, raffinierte Tomaten-Blätterteig-Törtchen und schließlich ein Salat aus Spinat, Rosinen und Speck an einer Balsamico-Crème. Ihr wisst, ich mag keinen Speck, aber dieser Salat war einfach das Beste! Hab mir das Rezept geben lassen :) Das Dinner mundete den Mündern und mündete in ausgelassenes Trinken und Schwätzen, nachdem das stille Schmatzen in seiner Konversationslosigkeit den Meisterköchen seinen Dank aussprach.
Samstag, 16. Oktober 2010
Konsum
Wein ist teuer hier, wie auch fast jeder andere Alkohol. Ich habe ein Walnussbrot gefunden, dass eine Kruste hat. Mein bisheriger Soundtrack für Cambridge besteht aus Sonic Youth, Badly Drawn Boy, Queen und New Weird America (v.a. Devendra Banhart). Ein Lied, dass mich immer wieder an die Heimat erinnert ist "Always" von Erasure. Ich habe Heißhunger auf Gemüse und ein Schuss dunkle Sojasoße in den Tomatensalat ergänzt die Kräuter der Provence überraschend gut. Megavideo macht Faxen, daher kann ich selten länger als 20 Minuten True Blood genießen. Samurai Champloo schafft es, mich mehr als alles andere zu bewegen. Die Erasmus-Hausparty gestern war richtig gut. Ich sehe viel Potential in diesem Jahr. Doch vor allem ist es anstrengend. Und ich vermisse Zoë.
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