Dienstag, 11. Januar 2011

Seven to One

 Der erste Blogeintrag des Jahres kein Jahresrückblick, sondern ein Statement für das kommende Jahr. Sieben Tage Skifahren verschmelzen zu einem Gefühl der Erinnerung, sieben Individuen wurden in einem gemütlichen Hotelzimmer zu einer kleinen Familie. Zimmer 721. Dazu muss man einen Einschub erlauben, da wir eigentlich nur zu sechst im Zimmer waren, aber Dan - Julias Freund - so oft so angenehm präsent war, dass ich ihn für die Gruppe für unverzichtbar halte. Ein Statement für das neue Jahr, da ich nun sechs wirklich gute Freunde aus England gefunden habe, mit denen zurück in Cambridge hoffentlich die Verbindung sich noch intensivieren wird. Die außerordentliche Passung wird klar, wenn man bedenkt, dass wir fast 24 Stunden am Tag ohne Reibungen miteinander zusammen waren. Aufstehen, Frühstücken, Skifahren, Nachmittagsnickerchen, Kartenspielen, Kochen, Abendessen, Party, nächtliche Gespräche.

Aber wer sind nun die Sieben? 

  Owen Drage - Südwestengland - hat mich damals über facebook ins Zimmer eingeladen. Obwohl ich die Hälfte der Insassen nicht kannte, sagte ich zu, da ich bis dahin keine Alternative hatte. Ihn selbst kannte ich nur flüchtig vom Rudern.
 Ioanna Antcheva - Paris, geb. in Bulgarien - kenne ich eigentlich seit dem Matriculation Dinner, wir sind auch Collegegeschwister, aber wir hatten nie wirklich viel miteinander zu tun, obwohl ich sie immer interessant fand.
 Julia Rita Heckenast - London, ungarische Wurzeln - habe ich am Sports Day kennengelernt und wir hatten natürlich gleich eine gemeinsame Basis, aber dennoch nachher nicht so viel miteinander zu tun.
  Christian Preece - Manchester - kannte ich zuvor gar nicht, sah aus wie BWL, studiert aber Geographie und kennt wirklich jede Landeshauptstadt der Welt (und alle Postleitzahlen seiner Freunde).
  Miles Horn - London - hab ich vorher auch noch nie von gehört, mag aber die Smiths und spielt selber in einer Band (Gesang, Gitarre).
  Thomas Czikmantori - Trier/Landshut/Tirgu Secuiesc - kannte ich vorher auch nicht wirklich gut, obwohl ich viel Zeit mit ihm verbracht hatte. Er ist mit 23 Jahren zu jung um seine Biographie zu schreiben und zu alt um ewig jung zu bleiben, aber vereint beides in einem Blog.
 Dan Caplin - Manchester - lebt bei mir im Haus, aber weil er mit den falschen Leuten rumhängt, hielt ich ihn für oberflächlich, obwohl er mir schon immer irgendwie sympathisch war.

 Jetzt kennt ihr die Leute! Aber was ist passiert? Das illustrieren wir kurz anhand der Bilder, sonst wird das hier wieder so ein Ungeheuer...

 Ich traf mich nach über vier Stunden Zugfahrt mit Walter (Cambridge-ianer aus Österreich) in Bregenz und gemeinsam holten wir Anish am Züricher Flughafen ab, der extra aus Dubai angereist war. Wir hatten viel Spaß auf unserem Roadtrip, bis Walter feststellte, dass uns das Navi zum falschen Les Arcs 1800 in der Nähe von Marseilles bringen wollte...nachts um halb zwölf kamen wir somit erst im richtigen Les Arcs 1800 an. Unspektakuläre Nacht. Schlaf. Aber dann!

 Sonne und wolkenloser Himmel! Ein bisschen rote Bäckchen hatten wir am Abend alle.
  Gerade erst in den Ski-Lift gestiegen und schon das erste Bild...
  Wie es so meine Art ist habe ich aufgrund von Unachtsam- und Langsamkeit die Gruppe verloren. Schöne Bilder waren die Folge. Der gelbe Effektfilter kommt übrigens durch die Skibrille zustande. Meine α55 blieb nämlich zu Hause und selbst für die habe ich (noch) keine Farbfilter. Aber heute ein neues Objektiv bestellt :) Lensbaby Muse mit Plastic Optik (http://lensbaby.com/lenses-muse.php).

   Vom Balkon aus konnte man den Mont Blanc sehen, leider nicht auf diesem Bild.
  Am ersten gemeinsamen Abend dann auch schon das erste Trinkspiel. Mag kindisch klingen, aber es war spaßig, dass jeder, in dessen Glas ein Kaugummi oder ein Kronkorken geworfen wurde, trinken musste. Die Sauerei könnt ihr euch vorstellen. Ioanna beim Fischen.

 Ach ja, nicht zu vergessen, die internationalen Trinkregeln:
 1) Das Wort "trinken" in jeder Sprache ist verboten
 2) Man darf nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen
 3) Keine Vornamen
 4) Kein Fluchen (ein bisschen unfair den Necros gegenüber, wenn ihr mich fragt)
 5) Man darf beim Trinken das Gefäß nicht in der rechten Hand halten

Diese netten Regeln haben mir sowas von den Rest gegeben. Da ich vor lauter Fluchen keine Zeit hatte, Saft in meinen Wodka zu schütten, musste ich diesen fingerweise pur trinken...


  Den König der größten Zunge vom Thron gestürzt.
"I mean, he was famous for having a long tongue, but yours puts him to shame" 
- Dan
"Danke, ich habe wirklich viel von Ihnen gelernt" 
- Dr. H.

  Partymotto (auch außerhalb Cambridges geht es mit diesen Leuten niemals ohne Motto) war an diesem Abend, was man unter dem Skianzug trägt. Wenn ihr genau hinseht (wovon ich ausgehe), seht ihr, dass mein Outfit keine Taschen ziert. Brieftasche, Kamera und Schlüssel in der linken Hand. Die ganze Nacht. Betrunken wie nie zuvor. Ihr ahnt Übles. Übles im Wert von 128€...


 In der Bar, die ohne Witz "La Grotte du Yeti" heißt, war man freundlich. Und es gab zu allem Überfluss literweise Freibier. Dan wieder mal so betrunken...aber ich darf nicht reden, ich war schlimmer. Im Apocalypse Club verlor ich wieder mal alle (sie erzählten später, sie hätten sich verabschiedet). Kann nur eine Lüge sein. Jedenfalls stolperte ich nach dem Club ins Weiße, aus irgendeinem Grund auf einen verschneiten Hügel und rutschte aus, fiel. Die Items in meiner linken Hand sonstwo. Hell war es auch nicht gerade. Brieftasche und Kamera hatten genug Kontrast und Farbe um gefunden zu werden, der gelb-weiße Schlüsselanhänger vom Hotel mit dem bescheidenen Schlüssel daran nicht ganz so... ich suchte eine gewisse Zeit lang, aber es war auch kalt, wie ihr euch bei Unterwäsche und Minusgraden vorstellen könnt. Ich verschob die Suche auf den Tag und stapfte in Richtung Hotel. Leider zum falschen. Es gab da einige und ich war die letzte Nacht auch im Dunkeln angekommen, Orientierung war noch nicht so und der Vodka tat seinen Teil.
Über die Terasse kam ich in eine der einladenden Residenzen, bediente mich an deren Internet, das da so rumstand, und an deren Frühstücksbuffet, das hinter der dunklen Theke auf mich wartete. Ohje, die Geschichte der Nacht näme kein Ende, wenn ich sie ausführlich erzählte, jedenfalls war ich noch in einer Bar, in der Live-Musik gespielt wurde und in einem anderen Club, in einem kleinen Waldstück, traf viele wenig hilfreiche Menschen auf der Straße und wie durch ein Wunder stand ich plötzlich vor unserem Hotel. Die Zimmertür unverschlossen, ein Stuhl auf dem Tisch.

 Am nächsten Morgen hatte ich Kopfweh und konnte das Chaos im Zimmer gänzlich überblicken, der Stuhl war wieder auf dem Boden. Die anderen gingen Skifahren, ich den Schlüssel suchen. Wenn es doch bloß dunkel gewesen wäre, ich hätte den verschneiten Hügel sicher wiedererkannt (habe ich dann sogar am nächsten Abend), tagsüber lief ich aber zehn mal blind an ihm vorbei.


 Ich schickte mich einmal mehr an, alleine Ski zu fahren, ein paar Bilder davon. Auf dem ersten seht ihr, wie leicht es war, in das falsche Hotel zu gehen, es gab einfach zu viele!















  Wir verbrachten die Zeit zwischen Essen und Trinken gerne mit Karten, wie man an Ioanna mit dem aufgescheuchten Rehblick erkennen kann. Müdigkeit und Langeweile ja, aber irgendwie entspannt und angenehm.


 Zum Aufwachen gab's Schläge von Mikey, einfach so. Eine großartige Live-Band spielte, aber wir waren im Kontrast zu den anderen zu nüchtern. Klingt schlimm, aber wenn man kollektiv merkt, wie betrunken die anderen sind, fällt es schwer, sich aufzulockern. Miles war der einzige, der was dagegen tat; er gab 50€ für Getränke aus, gerade genug für Gedächtnislücken.


  Linkes Bild: Christies Gute-Nacht-Snack. Die Franzosen machen einfach die besten Baguettes! Und auch respektables Raclette, wie wir am nächsten Abend beim Mountain Meal herausfinden sollten. Bloß die Anrichtung (nicht wirklich ein Wort, oder?) war ein bisschen semi.

All cheesy deliciousness!


 Eine Flasche Wein war im Preis inbegriffen, daher tanzten die Leute auf den Bänken und Tischen. Ich erzählte euch ja bereits von der Mallorca-Eignung/Neigung der Engländer. Es gab auch einen blutigen Kopf und 20 oberkörperfreie Jungs. Um fair zu sein, auch 3 oberkörpersemifreie (also BH) Mädels - darunter meine College-Mum - und diverse runtergelassene Skihosen. Ich wurde so lange vergewaltigt, bis auch mein Pulli, T-Shirt und Unterhemd weg waren... 






Fight Club?
  Man sieht Dans und meine Freude, wie Erleichterung, dass wir lebendig und an einem Stück den Berg runtergekommen sind. Hab den Höllenritt gefilmt. Video folgt. Aber eins kann ich schon sagen: es hat verdammt viel Spaß gemacht angeheitert die mit Fackeln und Scheinwerfern ausgeleuchtete Piste runter zu kurven!



 Christie war vernünftig genug gewesen nur ein Glas Wein zu trinken, da er als Anfänger im Dunkeln schon eine außreichende Herausforderung zu meistern hatte. Er war aber auch vernünftig genug, seine Flasche im Anschluss zu exen. Er hatte daher das Glück, bei den anschließenden Trinkspielen den furchtbaren MIИКOVA-Vodka (für trotzdem über 10€ die Flasche) nicht mehr schmecken zu müssen. Nachdem Milli und ich die Nächte zuvor fleißig Filme gerissen hatten, war nun er an der Reihe. Die Bilder sprechen für sich.


Am nächsten Tag war Fancy-Dress-Skiing angesagt. Milli war topfit, hatte sogar ein Cape dabei und eine Unterhose, welche seinen Nachnamen adjektivierte. Good effort!


 Nachdem ich auch an Tag 4 an einem Punkt wieder ohne Mannschaft da stand, entschied ich mich für tobogganing, das furchtbarste Wort der englischen Sprache, das ums Verrecken nicht in meinen Kopf wollte, aber schlichtweg "Schlittenfahren" bedeutet. Ein paar bekannte Gesichter aus dem zweiten Jahr waren auch da und so lieferten wir uns verbissene Verfolgungsjagten auf der steilen und kurvigen Piste. Ich machte mehr als einmal den Fehler zu versuchen mit den Füßen zu bremsen. Schnee im Gesicht und überall. Überall!!



 Zu Hause erwartete mich eine bereits kochende Crew, Christie, wieder wohl auf (noch die Nacht zuvor konnte er nicht einmal alleine stehen... mit 18 ist der Kater scheinbar noch anders; nämlich abwesend) bereitete seine Spezialität vor. Irgendein komisches Dessert aus Mars-Riegeln und Sahne. Owen übernahm dabei freiwillig die Aufgabe drei Päckchen Sahne mit einer Gabel steif zu schlagen. Natürlich ohne Erfolg. Das Ergebnis war ein zuckersüßes Süppchen in der Farbe von ...nun. Schmeckte auch so. Aber mit Sirop de Fruits Rouge (gesprochen FRUUT RUUSCH!!!) gar hervorragend! Aufgepeppt mit dem Wunder-Sirup trank ich fast die ganze Schüssel allein: ca. seven gillion trillion calories.




 An diesem Abend wollten wir es ruhig angehen lassen, daher überließ ich den Spaß den anderen und schaute größtenteils nur zu. Diesem Typen bot ich 10€, wenn er sich in den Kinderstuhl zwängen können würde (was unmöglich ist, selbst für Size Zero).


 Der letzte Tag. Skifahren bis zur Dämmerung, die letzten Pistenbilder schießen. Die alte Casio, die ich damals zum Studienbeginn mit Isa gekauft hatte, tut's offensichtlich noch. Ich mag das Bild. Daher auch unbearbeitet.


  Zum Prinzip der High-Carb-Diet muss ich wohl nichts sagen.
Viele Bilder zur letzten Nacht, aber sie war auch ziemlich cool. Nach dem fundamentalen Essen natürlich wieder Trinkspiele. Sachen in Gläser werfen, letztere beim Beschützen umstoßen und den kostbaren Inhalt (was dachten wir uns nur dabei, als wir für sieben Leute lediglich eine Flasche Vodka kauften? Zum Glück besorgte Dan aus seinem Alkoholikerzimmer Nachschub) vom Tisch saugen. Spillage is Drinkage!


 Wir spielten neben dem Gewerfe Ring of Fire und die internationalen Trinkregeln waren natürlich auch in Kraft. Owen hat die Queen gezogen, daher war er die Bitch und musste uns allen jeden Wunsch erfüllen.


Was jetzt noch folgt, sind Menschen in Neon-Kostümen, es war nämlich Rave Night.



  Jäger Bombs: Die Stamperl einfach wie sie sind ins Glas mit Red Bull stellen und beim Exen vermengen lassen. Lekka!
  Zusammen genommen müssten die schon auch ein oder zwei englische Punkte bringen, finde ich :D

  Die endgültige Länge der Bierreihe war beträchtlich und passte nicht mal auf das Hochformatbild!! Becca musste in unser Zimmer ausweichen, da ihr Bett belegt war. Das kam eigentlich ziemlich oft vor, dass Leute in fremden Betten schliefen oder auf dem Badezimmerboden oder ineinander. Aber nicht in unserem anständigen Zimmer! Nur dieses eine Mal. Sieht man ihren friedlichen Gesichtern an, dass ich ihnen zuvor eine Gute-Nacht-Geschichte von einem König mit drei Söhnen erzählt hatte?





  Zum Glück fand ich dieses Schild erst am Morgen der Abreise.
Poor product placement.










 Die Woche endete wie sie begann mit dem Roadtrip, vor dem wir uns diesmal gemeinsam stärkten. Der französische 280 vom Mc Dö, gepimpt mit Chicken McNuggets und Pommes Frites. Das habe ich gebraucht, Fleisch hin oder her! Was eine Woche... und was ein Statement für das kommende Jahr!


Freitag, 31. Dezember 2010

Wie gut, dass keiner weiß,

 ...dass ich Alpha-Männchen heiß'!
Aber jetzt weiß es jeder :) Heute morgen um 08:20 ist der DPD-Mann gekommen und meine Mama hat mir eine nagelneue Kamera in mein noch schlafendes Zimmer gebracht. Der Stapel 50er hingegen war weg. Nach nur 200 Minuten Schlaf schlich die Freude sich nur langsam ein, aber erreichte dafür nach einer Stunde einen umso höheren Peak.
 Die ersten Bilder im Bett, in der Küche und am Christbaum gibt's exklusiv und unbearbeitet! Freut euch auf eine neue Ära in diesem Blog! Bokehliciousness!





Dublin - Part II

  Musik aus, Konzentration, der Dublin-Eintrag passiert:

Previously on Minding the Gap:
After a night without sleep, Thomas and Wille are running to catch their train to Stansted Airport, meeting their companions Noelia and Sandra halfway between the college and Cambridge Railway Station. Worn out by the strains of Fairbairn's Boat Club Dinner, St Catz Christmas Bop and Eddie's Erasmus House Party the two are more than happy to let themselves sink into the warm and embracing comfort the seats in the train would provide. Just in time. 

Wir hatten es also wirklich zum Zug geschafft. Keine Minute zu früh. Noelia versogte uns mit den Chocolate Chip Muffins, die wir so dringend brauchten. Natürlich hatte ich vergessen, etwas zu trinken einzupacken...


 Am Flughafen angekommen labte ich mich an Wilhelms teuer erworbenem Erfrischungsgetränk und spielte mit der a33 herum. Stansted bietet viele schöne Motive und Flughafen im Allgemeinen sind ja wohl großartige Orte, um Menschen zu photographieren. Auf folgendem Bild die Geburt der Zunge (Althochdeutsch zunga, lat. Lingua, griech. γλῶσσα Glossa), wie sie sich ausgehend von der Archephase (im Hintergrund, unscharf, im sicheren Uterus der Mundhöhle, von einem lächeln verdeckt) über die Mesophase (mittlere Bildebene, fast scharf, exponiert durch die Öffnung des Mundes, die äußeren Lippen formen nun eine Art "O") schließlich zur Telophase (im Vordergrund und im Fokus, die Spitze vor den Zahnreihen, die Lippen weiterhin in der "O"-Form) kämpft.

Abb. 1 Die Geburt einer Zunge (Czikmantori, 2010)

 Dass wir um die Uhrzeit (gegen 8:00) noch Spaß haben konnten, trotz Schlafmangel und so - gutes Omen!
 Aber: wir waren daher auch etwas zu unbeschwert. Die neunzig Minuten vor dem Flug vergingen wie im Flug (Wortwitz!) und fast verpassten die rechte Zeit um zum Gate zu gehen. Nachdem wir auch auch zu diesem wieder laufen mussten, waren wir nun definitv und offiziell das Running Team!
 
  Im Flugzeug: "Schlaf". Im Bus danach "Schlaf". Ein supernetter Ire (Achtung Redundanz: alle Iren sind supernett!) erklärte uns, wo wir aussteigen mussten und zeichnete uns sogar die Haltestelle in unsere Karte ein. Der Ausstieg geschafft - der Boden vereist. Auf dem Photo kommt die Größe der Eismassen nicht wirklich rüber, aber der linke Berg da ist 12 Meter hoch. Fast ;)



 Nachdem uns diverse supernette Iren auf unserer Suche nach unserer Herberge in alle bekannten Himmelsrichtungen geschickt hatten und wir schließlich das preiswerte (8€ pro Nacht incl. Frühstück!) Camden Hall Hostel gefunden hatten, konnten wir nun Dank des erreichten sicheren Hafens das gewünschte Explorationsverhalten zeigen (Bowlby, 1969). Wir schlitterten uns vor bis zur Haupteinkaufsstraße Dublins, hinein in ein fancy Einkaufszentrum und kauften uns erst einmal Essen für das DIY-Mittagessen. Brot, Käse, Salat, Digestives. Doch keine einzige Bank in dem riesigen Gebäude. Also raus, in den anliegenden Park - ihr ahnt es schon - den Pigeon Park! Kaum hatten wir die schneebedeckten Bänke mit unseren Dublin-Karten besitzbar gemacht und das Brot ausgepackt, kamen die Vögel. Zu Dutzenden, zu Scharen, zu Legionen! In meiner Todesangst tat ich, was jeder in meiner Situation getan hätte: ich drehte ein Video. Für meinen Blog. Schließlich hatten wir den hungrigen Horden nichts mehr entgegenzusetzen (wir waren ja nur zu viert hungrig), daher suchten wir unser Heil in der Flucht (nicht nach vorn, sondern zurück in das Einkaufszentrum). Sandras Füße waren mittlerweile zu Eiszapfen gefroren, so war die Priorität vor dem Essen das richtige Schuhwerk. Nach einer langen Odyssee auf der Suche nach Wellies, die in ganz Irland ausverkauft zu sein schienen, landeten wir in einem Penneys (außerhalb von Irland als Primark bekannt), wo Sandra warme Winterstiefel für ca. 19€ fand. In der Bucht eines Notausganges wurde nun die zweite große Tradition in Dublin geboren: Gypsyness. Zusammengekauert in der Kälte, von Passanten angestart, mit Plastikgeschirr operierend aßen wir, den Tauben gleich, die uns kurz zuvor aus ihrem Park vertrieben hatten...

 Am Abend landeten zwei weitere Erasmus-Leute, Daniel und Peer, beide (sehr) deutsch, die uns aus unserem Nachmittagsschlaf wachküssten. Gemeinsam machten wir uns auf nächtliche Nahrungssuche. Das Problem bei Nacht: Photos brauchen mehrere Anläufe bis sie richtig belichtet und nicht verwackelt sind. Und die Kerls Daniel, Wille und Peer fanden viele schöne Motive. Daher - aber auch aufgrund des überteuerten Angebots in Dublin, ihr wisst ja, Gypsyness - wurde die Nahrungssuche zum abendfüllenden Programm.
 Schließlich gab es Burger bei Burger King und McDonalds (die in Dublin aber auch ein paar Euro oben drauf schlagen). Auf dem Weg zurück zum Hostel teilten wir uns sogar aufgrund der Photographiererei (bei aller Liebe, aber Urlaub is' anders) auf: die genannten Kerls zusammen, die Sandra, Noelia und ich zusammen. Wir besuchten spontan eine Bar, welche uns durch ihre Musik von der Straße lockte, tanzten kurz, gingen dann weiter. Verirrten uns, trafen zwei supernette Iren, welche uns den Weg zeigten, zudem mit Insider-Tipps für Dublin versorgten. Am Treffpunkt (Bleeding Horse) schienen wir aber dennoch zu spät angekommen zu sein, da die Kerls schon weiter ins Hostel gegangen waren. Ich weiß gar nicht, wann Wille die Zeit gefunden hatte, ein paar Schweden kennenzulernen, aber von denen hatte er einen Tipp bekommen, wo eine gute 8-bit-Party laufen sollte. Es war schon eins und Clubs in Irland schließen früh, so gegen drei. Wir (eigentlich nur die Mädels, ich war zu faul und Daniel und Peer kamen nicht mit, um ihren Sightseeing-Plan am nächsten morgen mit voller Energie starten zu können) machten uns in Ultraschallgeschwindigkeit partytauglich (Noelia stellte dabei sicher den Weltrekord für's schnelle Haarewaschen auf) und nahmen das erstbeste Taxi in die Stadt. Wir fuhren nur 100 Meter, bevor Wille erfuhr, dass der Club dicht war. Ausgestiegen, in den zweitbesten Club der Stadt gegangen und bis Ladenschluss zu Lady Gaga und Barbra Streisand (by Duck Sauce) abgefeiert. Auch nicht schlecht. Ziemlich gut sogar!

  Da das mit der chronologischen Erzählweise irgendwie viel zu viel Text wird, kommt der Rest nur noch in Eindrücken.


  Dublin - wie drücktest du dich mir ein? - In zehn Punkten:

1. Personelle Fluktuation Wir haben das Ur-Team bereits ins Herz geschlossen und die zwei Deutschen zur Kenntnis genommen, nun fehlen nur noch der Belgier Koen "The Daddy" Vandaele und der Deutsche Adrian "Crazy Fangs" Robanus (wobei Rob Anus allein schon ein scheißegeiler Name wäre). Sie kamen am nächsten Morgen an und blieben bis zum Schluss. Im Gegensatz zu Wille und Sandra, die beide am Montag in der Früh schon abreisten. Bis zum Ende heißt bis Dienstag Abend (Noelia und ich waren also fünf ganze Tage in Dublin!). Daniel und Peer flogen, glaube ich, Montag Nachmittag wieder. Ich bin mir aber nicht sicher, wir haben uns gar nicht mehr verabschiedet... sie bilden, das muss ich leider so feststellen, eine Ausnahme von allem, was noch ausgeführt wird. Sie haben ihr eigenes Ding durchgezogen. Ihr Dublin ist sehr verschieden von unserem.

2. Familäre Liebe Einhaken, Händchen halten, Warmkuscheln. Obwohl sich die meisten Leute da erst kennengelernt haben, war man sich sehr nah.

3. Crazyness Tanzen auf den Straßen, Passanten fast enthauptend durch undurchlässige Fünferreihen aus sich wärmenden Studenten (siehe Punkt 2), auch mal in Ringformation durch die genervte Menge sich drehend. Nichts blieb unversucht.

4. Einigkeit Es gab eigentlich nie Streit. Außer vielleicht Burger King oder Mc Donald's, aber auch das wurde schnell und unblutig gelöst.


5. Nachtleben/Kirchenlosigkeit Zwei Kathedralen, eine von Wikingern gebaut, keine von beiden von innen gesehen, aber auch nicht schlimm. Dafür jede Nacht Feiern gewesen und das nicht schlecht! Vor allem die letzte Nacht...

6. Wenige Photos von meiner Seite Mein Akku war ja schließlich von Anfang an halb leer und das Ladekabel war zu Hause in Cambridge.

7. Das Wichtigste - die Teams So viele Insider und so viele davon Teams. Running Team, Lost Team, Challenge Team, Stupid Team und 50 andere, die mir jetzt nicht einfallen. Dazu das Konzept der Gypsyness und Beinamen. Wille war Pikachu, Noelia war Kitty (Sober Kitty, but also Hung Over Kitty, Happy Kitty und Sad Kitty, Fluffy Kitty, Sleepy Kitty, Hello Kitty und eigentlich alles Kitty) und Gypsy Mama, Koen war der Gypsy Daddy, weil er immer so trocken und pragmatisch war, Adrian der anankastische Yoga-Vampir im Supermarkt, der zudem aber auch als Erster im Club am letzten Abend den Tanzflur dreimal mit seinen Tanzschritten vermessen hat und ich war eigentlich gar nichts :( und bei Sandra überleg ich grad auch schon die ganze Zeit... ohje, es ist schon eins, ich hau gleich noch die ganzen Bilder raus (die meisten werden eh schon vorgescrollt haben, aber egal) und geh dann schlafen.

8. Fleisch Seit meiner Zeit des Flexitarianismus habe ich noch nie so viel Fleisch gegessen. Erst jetzt wieder in der Weihnachtszeit, aber davor war definitv Dublin das Schlachthaus No. 1. Fast jeden Tag Burger (einer davon battered und ihr wollt nicht wissen, was das ist), ein Steak, das ich mir mit Koen geteilt habe (und wie!) und einmal Irish Stu mit Adrian. Boa leck!

9. Obdachlose So viele Obdachlose. Und bei der Kälte...

10. Blutige Knie ...

 Erzählungen und Lieder wie von der großartigsten kostenlosen Stadtführung, dem Formal Dinner bei T.G.I. Friday's, wo Koen und ich mehr Freude am gerechten und hochwissenschaftlichen Teilen des Essens als an dessen eigentlichem Verzehr hatten und jene von meinem gescheiterten irischen Punkt mit dem betrunkensten Mädchen aller Zeiten (und Koens erfolgreichem mit dem zweitbetrunkensten) erzähle ich euch mal in persona, jetzt folgen nur noch Bilder mit vereinzelten Kommentaren. Viel Spaß damit!




 
  Oben sehen wir unsere Straße, die Camden Street: viele kleine Läden und viele Pubs. Aber noch lange nicht Camden Town. Rechts eine Irin, die drauf wartet, dass es grün wird (Witz!) und der Spire im Hintergrund (wobei mir der umgangssprachliche Name Stiffy by the Liffey besser gefällt).


Wie gesagt gibt es in Dublin viel zu viele Obdachlose. Auch Blut auf den Straßen. Und Gypsys in billigen Hostels (aber wenigstens in Sicherheit). Das Muster des Bodens werde ich nie vergessen...

 Dublin hat auch ein paar schöne historische Seiten, wie z.B. diesen Gefängnisturm aus dem Mittelalter. Wenn ich mich nicht verhört habe, sind die Mauern 4,5 Meter dick.



  Und die Kathedrale, die die Vikinger gebaut haben - klar, damals nicht als Kathedrale. Sah von außen aus, als ob sie von innen cool sein könnte... beim nächsten Mal vielleicht.
 Noch einmal der Spire in einer misslungenen Panorama-Aufnahme. Hier stößt die a33 an ihre Grenzen. Oder die Kamerfährungskompetenzen meiner zittrigen Hände.


 Eines der ersten Bilder vom ersten Tag: Einhaken und Händchen Halten treffen sich in der Mitte bei einem 201cm-Schweden. Verdammt gute Stiefel hat der an!








Fluffy Kitty und Sandra Alava.

Running Team auch in der kurzen Pause während der kostenlosen Stadtführung. Das Motiv, wie so oft, Essen. Natürlich ist dies nur ein Photo aus einer Serie von 7fps-Bursts.





 Sexiness made by Penneys. And Noelia. Ich hoffe, ihr habt zu Neujahr eure rote Unnerbux an. Die bringen Glück! Sagen Chinesen.


 Wir waren auch das Workout Team, wobei ich zu diesem Zeitpunkt schon aufgegeben hatte. 90 Sekunden pro Seite! Das hält man selbst als core-muscle-trainierter Ruderer nicht aus.
 Andererseits das Team, dass die Stadtführungsgruppe verloren hat. Wie kann man 30 Leute aus den Augen verlieren... armer Wille. Ganz allein.

 



  Eine traditionsbewusste Gypsy-Mahlzeit an einem Bretteln hinter den Kassen eines Supermarkts. Aber die Iren sind so supernett, die sagen nichts. Koen hat sein Brot mit seinem Schlüssel geschnitten. Mit seinem Schlüssel! Als ihm das Brot ausging, wurde der Käse zum Wrap für den Salat.
 Aber auch glamoröses Nachtleben liegt auf unserem Lebensstil-Spektrum. Diesmal passen auch alle aufs Bild. Und da waren wir alle nicht betrunken, nur irisch grün!


 Partybilder gibt es aber auch von der ersten Nacht. Das Ur-Team in der Hocke.
 Ich mag die Schaufensterpuppe am oberen Bildrand.

  Der Brazen Head ist der älteste Pub Irlands. Und die servieren da großartigen Irish Stu (wobei ich das auch nicht so gut beurteilen kann, da es mein erster und bislang einziger war). Das sparsam eingesetzte Licht war auch ideal für lange Belichtungszeiten und verwischte TonGolem-Gesichter.












    Wo wir doch gerade schon beim Essen waren: perfekt halbiertes Steak by T.G.I.F.'s. Mit dem Steak fing es an, mit paarweise verglichenen Pommes hörte es noch lange nicht auf. Theoriengebilde, welche beeindruckender waren als der Kölner Dom; größer, differenzierter und dunkler bei Weitem.



  Ich erwähnte bereits, dass jeder so seinen Beinamen und individuellen Skill-Tree hatte. Sandra war definitv der Affenfuß und Eiszapfen, aber auch der Sixpack, der seinesgleichen sucht.





 Wilhelm war trotz seiner, sagen wir, überdurchschnittlichen Körpergröße der süße Pikachu. Bei so einer Süßigkeit erwartet man auch nicht, dass er den Riesen-Cookie in den Mund kriegt. Für mich war das kein Problem - natürlich ohne prahlen zu wollen *zwinkerzwinker*. Hmm, Big Mouth Boy... ich weiß nicht

 Noelia war Kitty, schon klar, doch was macht der Hund da mit dem orangen Gag-Ball in der Schnauze?



 
  Hier eine Dokumentation Adrians anankastischer Neigungen. Er hat alle Käsepackungen in ihrer Darstellung optimiert. Die Räder aufgestellt, die Blöcke mittig ausgerichtet. Ordnung ist das halbe Leben.Die Eckzähne kann man in der Vergrößerung auch schön sehen...



  Gypsy Mama needs her stuff! Daddy is so disappointed...







Cute Boy? I wish!
But you gotta love Rut!







 Eine Quotenkirche gab es dann doch für mich. Sweep Panorama funktioniert hier einwandfrei und sieht meiner Meinung nach großartig aus! Wobei die Kuppel doch recht flach wirkt...



Und schon sind wir am Ende des Eintrags (es ist schließlich 4:43 Uhr. Zeit für die Haja)! Doch die Hälfte blieb unerzählt. Bleibt auch unerzählt, zumindest in dieser Form. So viel noch: auch diese Idylle am Flughafen trügt. Wir hätten im anderen Gebäude sein müssen. Running Team!!!


Kein Eintrag ohne Kunst. Antigraviton-Lampen im Hostel.















Literatur

Czikmantori, T. B. (2010), The Juxtaposition of Beingness and Nothingness, Amsterdam: TORCH Books

Bowlby, J. (1969), Attachment and Loss, Vol. 1: Attachment. New York: Basic Books.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Dublin - Part I

 Das Kernstück der Reise: Pigeon Park.


 Ich entschuldige mich für die furchtbare Tonqualität, welche durch mein hysterisches Gekeife zustande kommt. Aber seht mal: ich hatte Todesangst!
"Mein Leben mit dem Trauma" 
- das neue Buch von Thomas Czikm...

  Und ich habe heute das erste Mal seit Langem wieder versucht, meine Statistik abzurufen. Là, es funktionierte; einfach so! Wollte nur mal Zigaretten holen, kommt nach 20 Jahren zurück, sagt kurz Hallo hockt sich auf die Couch und schaut fern, als wäre nie was gewesen. Jedenfalls, interessante Ereignisse: Neuzugänge in diesem Monat aus Kroatien, Frankreich und der Schweiz! Plötzlich immenses Interesse aus Spanien und gestern - ohne mein Wissen - überschreiten deutsche Besucher die 1.000er-Marke! 15 Aufrufe an Heilig Abend; wer macht den sowas? Zudem: Fast 23% Einbruch im November im Vergleich zum Oktober und im Dezember können wir froh sein, wenn wir die 50% erreichen :) Die Aufrufe scheinen sich direkt proportional zu der Anzahl meiner Einträge zu verhalten. In den ersten Tagen, ja zwei Wochen meines Erasmus-Aufenthalts war der Blog so wichtig, das Wurmloch nach Hause und der Verarbeitungsmechanismus der überwältigenden Erfahrungen. Später mit der Routine wurde er zum Wochenrésumé und nun in der alten Heimat Bayern ist es eine Hausaufgabe, ein Abarbeiten. Aber ich will euch allen die Geschichte von Dublin erzählen, die Bilder von Ely zeigen! Morgen. Jetzt erstmal schlafen gehen, da ich morgen ganz früh aufstehe um mit Hansa, dem alten Haudegen, zu frühstücken.

 PS: Heute habe ich die Sony SLT α55 18-55 (Kit) + SAL 50mm F1,4 + Hama SDHC 16GB HS PRO Video bestellt. Es klingt so amtlich, das macht mich froh ^^ Das Suchen und Vergleichen hat ein Ende (endlich freeeiiii), ich nehme genau die Kamera, für die ich mich vor über zweieinhalb Monaten entschieden habe...dennoch habe ich das Gefühl, dass das stundenlange Forsten durch Kamera-/Objektivreviews und das Abonnement von Digital Rev TV bei Youtube trotz allem kein Ende nehmen werden. Ich mutiere zu einem Wilhelm...